Erfolgreiche erste Betriebsjahre der Kehrichtverbrennungsanlage Renergia

Seit Januar 2015 brennt das Feuer in der Kehrichtverbrennungsanlage Renergia fast ununterbrochen. Die Idee der Projektinitianten, ein Kraftwerk zu bauen, das den Abfall als Brennstoff verwendet, hat sich in jeder Hinsicht bewährt.

pd. In den ersten drei Betriebsjahren wurden insgesamt fast 660 000 Tonnen Abfall verwertet. Diese Menge übertrifft alle Erwartungen. Auch die produzierten Energiemengen sind äusserst erfreulich. Die Perlen Papier AG bezog von 2015 bis 2017 rund 780000 MWh Dampf, womit etwa 91 000 Tonnen Heizöl oder 90 0000 Kubikmeter Erdgas eingespart werden konnten. Es wurden zudem 450 000 MWh Strom produziert, soviel wie die gesamte Stadt Luzern in einem Jahr verbraucht. Die Fernwärmelieferungen in die Gemeinden Root, Buchrain und Ebikon steigen von Jahr zu Jahr. Und schon ab dem kommenden Oktober werden auch die Gemeinde Emmen und die Stadt Luzern ans Fernwärmenetz angeschlossen sein.

Ungebrochen hohe Abfallmengen

«Die hohen Anliefermengen haben uns alle etwas überrascht», gesteht Ruedi Kummer, Geschäftsführer der Renergia Zentralschweiz AG. «Vermutlich sind vor der Eröffnung der Renergia doch mehr brennbare Zentralschweizer Abfälle als angenommen in anderen Regionen der Schweiz entsorgt worden.» Und: «Auch in Zukunft wird sich die Abfallmenge wohl nicht wesentlich reduzieren», glaubt Ruedi Kummer. Trotz grosser Anstrengungen ist bei der stofflichen Verwertung von Abfällen keine wesentliche Steigerung der Mengen zu erwarten. Im Gegenteil: der Trend zu kurzlebigen, billigen Produkten ist ungebrochen, egal ob es sich um Schuhe, Möbel, Spielzeuge oder andere Konsumgüter handelt. Rohstoffe und Energie sind billig, die Arbeit ist teuer und der Konsum ist hoch. All dies führt unweigerlich zu hohen Abfallmengen.

Konzept findet Nachahmer

In vielen Teilen der Welt landet der Abfall noch unbehandelt auf Deponien, die mancherorts aus allen Nähten platzen und zu schweren Umweltschäden führen können, da Abdichtungen gegen eine Freisetzung ins Wasser und die Luft grösstenteils fehlen. Die Schweiz hat hingegen eine hochentwickelte Infrastruktur zur stofflichen und thermischen Verwertung von Abfällen installiert, deren Umweltbelastung verglichen z.B. mit dem Strassen- und Flugverkehr und der Nahrungsmittelproduktion verschwindend klein ist. Das «Renergia-Konzept» findet deshalb weit über die Landesgrenzen hinaus Beachtung. Mehrere grosse Städte haben entschieden, Anlagen nach dem Vorbild der Kehrichtverbrennungsanlage Renergia zu bauen.

Besucherrundgang stark nachgefragt

Auch der im Herbst 2015 eröffnete Besucherrundgang erfreut sich grosser Beliebtheit. Über 20 000 Personen haben seither die Reise ihres Abfallsackes durch die Anlage und die Umwandlung in Energie miterlebt. Ob Schüler ab der 5. Klasse, Vereine oder Einzelpersonen – Renergia freut sich, den Besuchern den Prozess von Energie aus Abfall näher zu bringen. Der spannende Rundgang führt die Teilnehmenden von der Abfallanlieferung zum Kontrollraum und vom brennenden Feuer bis hin zur Turbine, welche für die Stromproduktion verantwortlich ist. Weitere Informationen zum Besucherrundgang und die Online-Anmeldung finden interessierte Personen unter: www.renergia.ch/fuehrungen.

Eine Erfolgsgeschichte

Die Entstehung der Kehrichtverbrennungsanlage Renergia ist eine Erfolgsgeschichte. Vor gerade einmal zehn Jahren sind beim Luzerner Abfallverband REAL erste Ideen für einen Ersatz der alten KVA Ibach diskutiert worden. Einer der grössten Meilensteine war der Zusammenschluss der acht Zentralschweizer Kehrichtverbände sowie der Perlen Papier AG für die gemeinsame Realisierung dieses Projekts. In den Jahren 2009 bis 2011 galt es, einen geeigneten Standort zu finden und die umliegende Bevölkerung sowie die Gemeinde Root für die Verwirklichung der Idee zu gewinnen. Vom Baubeginn im August 2012 bis zu den ersten Leistungstests im Herbst 2014 vergingen nur zwei Jahre. Im Dezember 2016 wurde das Projekt mit der Genehmigung des Abschlussberichtes durch den Verwaltungsrat offiziell beendet. Die Kosten für das gesamte Projekt betrugen rund 300 Mio. Franken, womit der Kostenvoranschlag um 20 Mio. Franken unterschritten wurde.