Wälder bieten auch im Rontal Erholung und Lebensqualität. | Bild Chance Rontal

Wir Menschen gehen häufig in den Wald und wir schätzen, was er uns alles bietet. Wir wollen ihn schützen und nützen. Dies und einiges mehr über unser Verhältnis zur «grünen Lunge» befördert eine aktuelle Studie ans «Tageslicht».

er. Auch unsere Wälder im Rontal läuten den Frühling ein – mit Bärlauch, Morcheln und Blumen. Bedeutung und Nutzen unserer Wälder für uns Menschen und unsere Mitwelt sind eigentlich hinlänglich bekannt und anerkannt, vom Holzlieferanten und Jagd- und Pilzrevier über den Luftreiniger bis zum Erholungsraum. Doch wie weit wird unser Verhältnis und Verhalten zum Wald durch Eindrücke und Wissen geprägt? Wie weit hat der Wald auch eine soziokulturelle Bedeutung? Oder: Wieviel Wald braucht der Mensch? Eine aktuelle Meinungsumfrage zeigt neue Sichtweisen und deren Wandel auf, die als Denkanstösse auch für unsere Region nützlich sein können.

Der soziokulturelle Wald
Die repräsentative Bevölkerungsumfrage «Waldmonitoring soziokulturell», welche die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL im Auftrag des Bundesamts für Umwelt durchgefü̈hrt hat, untersucht die Einstellung der Bevölkerung, ihr Verhalten und ihr Wissen bezü̈glich waldspezifischer Themen. Sie wurde erstmals 1997 durchgefü̈hrt und 2010 wiederholt. Ausgewertet wurden die im Herbst 2010 vom Forschungsinstitut gfs-Zü̈rich bei gut 3000 Personen in der ganzen Schweiz erhobenen Daten. Gleichzeitig hatte der Kanton Aargau die WSL beauftragt, die Einstellung der Aargauer Bevölkerung zum Wald vertieft zu untersuchen. Die zwei Umfragen ergeben interessante Vergleiche zur Befindlichkeit zwischen Wald und Mensch.

Waldbesuche entspannen
Die Menschen gehen häufig in den Wald und sind mit diesen Aufenthalten zufrieden. 95 Prozent der Befragten erleben ihre häufigen Waldbesuche als entspannend. Und der Mehrheit gefällt der Wald, den sie jeweils besuchen. Generell gefallen den Menschen aus Laub- und Nadelbaumarten gemischte Wälder mit Lichtungen besser als dunkle mit dichtem Bestand. Sehr beliebt sind Waldgebiete mit Bächen und Teichen. Für ihre Freizeitaktivitäten im Wald sind Erholungssuchende oft auf eine gewisse Infrastruktur im Wald angewiesen. Die neue Umfrage zeigt, dass Naturlehrpfade, Feuerstellen, Waldhütten und Unterstände, Bänke und Spielplätze besonders beliebt sind. Im Vergleich zur Umfrage 1997 fü̈hren die unterschiedlichen Freizeitnutzungen aber immer häufiger zu Konflikten. Ein Indiz dafür ist, dass mehr befragte Waldgänger sich gestört fühlen – nicht nur das Wild.

Vielfalt an Waldleistungen
Gemäss der Umfrage hat die Bevölkerung der Schweiz ein breites Verständnis der vielfältigen Waldleistungen und weiss diese zu schätzen. Wald sorgt fü̈r saubere Luft, produziert Holz, ist Lebensraum fü̈r Tiere und Pflanzen, schützt vor Naturgefahren und ermöglicht den Menschen, sich in einem naturnahen Umfeld zu bewegen und zu erholen. Diese Funktionen nannten die Befragten am häufigsten in dieser Reihenfolge auf die Frage, wozu unser Wald nü̈tzlich und notwendig sei. Die Mehrheit der Interviewten war zudem der Meinung, dass diese Leistungen zugunsten der Allgemeinheit etwas kosten dürfen. Beispielsweise sind ihnen die durch Subventionen mitfinanzierte Pflege von Schutzwäldern und der Naturschutz im Wald wichtig. Diese Einschätzung deckt sich mit der Waldpolitik des Bundes.

Einheimische Holznutzung
Die Holzproduktion ist heute bei der Bevölkerung stärker im Bewusstsein als bei der Umfrage 1997. 83 Prozent der Befragten finden die Holznutzung wichtig für die hiesige Wirtschaft, und nur jeder zehnte ist der Meinung, im Schweizer Wald würden zu viele Bäume geschlagen. Nur 22 Prozent unterstü̈tzen eine intensivere Nutzung; 1997 waren noch 45 Prozent fü̈r eine stärkere Nutzung gewesen.

Gibt es genügend Wald?
Gemäss des Schweizerischen Landesforstinventars 2006 sind in der Schweiz rund 12‘800 Quadratkilometer oder 31 Prozent der Landesfläche bewaldet. Die Mehrheit der Befragten findet, die bestehende Waldfläche sei entweder gerade richtig oder es gebe eher zu wenig Wald. Die gesetzlich verankerte Pflicht zur Erhaltung des Waldes in seiner Fläche und räumlichen Verteilung stösst in der Bevölkerung auf breite Akzeptanz: 85 Prozent der Befragten stimmen dem Rodungsverbot zu. Allerdings wissen 70 Prozent der Leute nicht, dass die Waldfläche in der Schweiz insgesamt seit Jahrzehnten zunimmt. Die frü̈her vorherrschende Angst, der Wald könnte bald grossflächig absterben, ist mittlerweile einer eher optimistischen Einschätzung gewichen: Den Zustand des Waldes beurteilt 77 Prozent der Bevölkerung als eher gut. Bei der ersten Umfrage, 1997, waren noch rund 65 Prozent der Ansicht, der Zustand des Waldes habe sich in den vorangegangenen 20 Jahren verschlechtert. Die Meinungen haben sich verändert, der Wald aber kaum.

Unsere Wälder im Rontal
Unsere Tabelle zeigt, dass im Kanton Luzern die bewaldete Fläche mit 31,3% der Gesamtfläche im schweizerischen Durchschnitt liegt. Im Rontal liegt sie mit 20,46% deutlich tiefer und einzelne Gemeinden haben nur rund die Hälfte Wald wie in der übrigen Schweiz. Im Aargau sind die meisten Leute in 20 Minuten zu Fuss im Wald. Mit den Wäldern an Steilhängen und bei fehlender Infrastruktur ist unser «Waldleben» im Rontal eher bescheiden. Wir sind also noch keine Waldmenschen, deswegen aber noch lange nicht «Hinterwäldler»!