Mit einer Berufslehre stehen Jugendlichen viele Türen offen. Noch besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Berufskarriere, wenn jemand zusätzlich die Berufsmatura absolviert. Das weiss auch der angehende Kaufmann Enea Löffel (16) aus Root.

 Der Schweiz fehlt es an Fachkräften. «Immer öfter werden Kaderpositionen – im Gesundheitswesen wie auf dem Bau – von ausländischen Arbeitnehmenden besetzt», sagt Gaudenz Zemp, Direktor des Kantonalen Gewerbeverbandes. Deshalb ist es für ihn von grösster Bedeutung, die Berufsbildung für Jugendliche noch attraktiver zu machen. Ein bewährtes Mittel dazu ist die Berufsmatura. Vor über 20 Jahren wurde sie eingeführt, mittlerweile verfügen in der Schweiz mehr als 100’000 Personen über einen BM-Abschluss. Im Kanton Luzern stellen sich laut Matthias Müller von der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung jährlich gegen 700 Lernende der Herausforderung. «Wer gewisse Voraussetzungen erfüllt, der kann prüfungsfrei in die Berufsmaturitäts­schule eintreten», erklärt Müller. «Für alle anderen findet jeweils im März die Aufnahmeprüfung an den Berufsbildungszentren in Luzern, Sursee, Willisau und Schüpfheim statt.»

Neue Fachrichtungen

Die Berufsmatura erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und ermöglicht gleichzeitig den prüfungsfreien Zutritt zur Fachhochschule. Ein zusätzliches Schuljahr nach der Berufsmatura, die Passerelle, erlaubt sogar den Zugang zu sämtlichen Schweizer Universitäten und an die ETH. Die Berufsmatura wird im Kanton Luzern lehrbegleitend in vier Ausrichtungen angeboten. Im Zuge des neuen Rahmenlehrplans, der diesen Sommer eingeführt wurde, tragen diese jedoch einen anderen Namen. Aus der technischen BM wurde die BM Technik, Architektur, Life Sciences. Die gesundheitlich-soziale BM heisst neu BM Gesundheit und Soziales. Die kaufmännische und die gewerbliche BM wurden in der BM-Ausrichtung Wirtschaft und Dienstleistungen mit zwei Typen zusammengefasst, wobei sich der Typ Wirtschaft an die Kaufleute richtet, der Typ Dienstleistungen an Interessierte aus Gewerbe und Detailhandel. Die BM kann entweder parallel zur Lehre oder aber nach der Lehre (2 Jahre berufsbegleitend oder 1 Jahr Vollzeit) absolviert werden.

«Sondereffort gefragt»

Ein Betrieb, der regelmässig mehrere Berufsmaturanden ausbildet, ist Schindler in Ebikon. «Wir wollen unseren Beitrag leisten, den Nachwuchs in den verschiedenen Branchen zu sichern», sagt Bruno Wicki, Leiter Schindler Berufsbildung. Bei der Selektion achtet er darauf, dass die Jugendlichen Leidenschaft zeigen und bereit sind, einen Sondereffort zu leisten. Die BM empfiehlt er deshalb vor allem «Lernenden, die später Fach- oder Führungsverantwortung übernehmen wollen». So wie Enea Löffel. Der 16-jährige Rooter absolviert zurzeit das erste Lehrjahr als Kaufmann EFZ. Dass er als Berufsmaturand einen halben Tag mehr fehlt im Betrieb als andere Lernende, ist für Wicki kein Problem. «Das kompensiert er, weil er konzentriertes, zielstrebiges Arbeiten gewöhnt ist.» Und wie ist es mit dem Aufwand für die Lernenden? «Die BM-Ausbildung ist sicher strenger als die normale Lehre», hat Enea festgestellt. «Aber sie geht auch viel tiefer.» Den Berufsmatura-Zusatz wählte er, weil er sich möglichst viele Türen offen halten wollte. «Ich kann mir gut vorstellen, dass ich später mal studieren gehe.»

Daniel Schwab

Der Rooter Enea Löffel (16), angehender Kaufmann EFZ bei Schindler, absolviert gleichzeitig die Berufsmatura. Bild apimedia
Der Rooter Enea Löffel (16), angehender Kaufmann EFZ bei Schindler, absolviert gleichzeitig die Berufsmatura. Bild apimedia