Angedacht war auf dem knapp 19 000 m2 grossen Rockwell-Areal in Dierikon ein Büro- und Dienstleistungskomplex mit gegen 2000 Arbeitsplätzen. Nach dem Veto des Gemeinderates änderte die Bauherrschaft Dierinvest die Pläne und nun sieht der Bebauungsplan Rontalzentrum eine Überbauung für Gewerbe, Büro, Dienstleistungen und Wohnen in vier Wohntürmen mit insgesamt 350 Wohnungen vor.

Bau- und Zonenreglement und der Bebauungsplan liegen bis zum 20. Februar 2019 auf der Gemeindeverwaltung zur öffentlichen Einsicht auf.

Die ersten Ideen haben gar nicht gepasst, ein Komplex mit gegen 2000 Arbeitsplätzen wollte Dierikon nicht. «Die Bauherrschaft ist unserem Wunsch nach massiv weniger Verkehrsbelastung nachgekommen wir sahen an diesem Standort die Möglichkeit von verschiedenen Nutzungen», sagte Gemeindepräsident Max Hess bei der Infoveranstaltung vor gegen 80 interessierten Einwohnern.

Der revidierte Bebauungsplan wurde im Frühjahr 2017 im öffentlichen Mitwirkungsverfahren der Bevölkerung präsentiert. Das Projekt wurde aufgrund von diversen Rückmeldungen überarbeitet, aufgrund der Forderungen von Parteien und der Planungskommission konnten auf Kosten des Grundeigentümers unter anderem auch eine Querung über die Kantonsstrasse ins Projekt aufgenommen werden; Schindler lässt sich diese Passerelle rund eine Million Franken kosten.

350 Wohnungen in 4 Wohntürmen

Der nun aufliegende Bebauungsplan, die Anpassung des Bau- und Zonenreglementes sowie das Richtprojekt definieren die Details der Bebauung. Vorgestellt im Rockwell-Gebäude -das Schindler gehört und im Rahmen der geplanten Überbauung altershalber abgerissen werden müsste- haben das Projekt Architekt Michael Kuhn (Architekturbüro Iwan Bühler, Luzern) und Raumplaner Roger Michelon (Planteam S AG, Luzern). Konkret sieht es vier dreistufige Gebäude mit Sockelbau (Handwerk, Ateliers, keine Verkaufsläden), Landschaftsebene und je einem rund 55 Meter hohen Wohnturm vor. Diese Türme sind ausschliesslich mit dem Erschliessungskern und allenfalls Stützen mit dem Erdboden verbunden und erheben sich ab einer Höhe von 17 Metern. Die 12 Stockwerke sind also 38 Meter hoch, darin sind rund 350 Wohnungen in den Grössen von 1½- bis 5½-Zimmer möglich, auch alternative Wohnformen wie studentisches Wohnen oder Wohnen im Alter sind denkbar. «Die definitive Anzahl der Wohnungen ist davon abhängig, wie viele Wohnungen pro Stockwerk im Baubewilligungsverfahren eingereicht und genehmigt werden, es sind Eigentums- wie Mietwohnungen vorgesehen», sagte Architekt Kuhn.» Die Zahl der Autoparkplätze ist auf 395 limitiert, dazu 1065 Veloabstellplätze, erschlossen über eine flach gelegte Rampe in das UG realisiert. Ein Mobilitätsmanagement ist zwingend vorgeschrieben. Und auf dem ebenerdigen Niveau ist eine sehr gute öffentliche Durchquerung in Richtung S-Bahn und ÖV-Haltestellen gsichert.

Das für Dierikon riesige Projekt hat an diesem Info-Abend einige Fragen aufgeworfen. Verkehr und Nutzen oder Mehrkosten für die Gemeinde wurden zur Diskussion gestellt, Sorge um Schulräume wurden geäussert, die «Umzonungs- Prämie» (Mehrwertabgabe) von rund 1,64 Millionen Franken wurde diskutiert. Und ob sich das Rontalzentrum dereinst auch finanziell lohne, wurde bezweifelt.

Behördlicherseits ist unbestritten, dass die Ausgaben zuerst steigen aber längerfristig mit neuen Steuereinnahmen der Zuzüger zu einem Erfolg werde, wurde betont.

Könne allfällige Einsprachen zum Projekt innert nützlicher Frist bereinigt werden, dann können die Stimmbürger von Dierikon am 27. Mai an der Urne über das Rontalzentrum abstimmen.

Rolf Willimann

Sie haben das Projekt Rontalzentrum Dierikon vorgestellt: Raumplaner Roger Michelon, Gemeindepräsident Max Hess und Architekt Michael Kuhn. Bild rowi
So soll das geplante Rontalzentrum dereinst aussehen: Im Zentrum mit Sockelbauten, Landschaftsebenen und vier Wohntürmen mit rund 350 Wohnungen. Visualisierung Arch. Bühler