Am Eidgenössischen Turnfest in Aarau vom 15./16. Juni 2019 ging Fabio Gasser (19) aus Meggen im Einzelwettkampf Geräteturnen K7 als Sieger hervor.

Mit den Noten Reck 9.40, Boden 9.65, Schaukelringe 9.30, Sprung 9.80 und Barren 9.90 erreichte er ein Total von 48.05 Punkten und distanzierte sich damit vom Zweiten um vier Zehntelpunkte. In einem Interview nimmt der Turnfestsieger zu einigen Fragen Stellung.

Fabio Gasser, vorerst herzliche Gratulation zu Ihrem Turnfestsieg in der Königskategorie am Eidgenössischen Turnfest in Aarau. Die ganze Familie Gasser, Mutter Jacqueline, Vater Moritz, Schwester Marion, Bruder Sandro und Sie sind im BTV Luzern im Geräteturnen engagiert. Was fasziniert Sie an dieser Sportart?

Fabio Gasser: Mich fasziniert, dass im Geräteturnen die Koordination von Kraft, Beweglichkeit und Schnelligkeit im Gleichgewicht stehen muss. Nicht nur die Kraft ist entscheidend, auch eine Vielzahl weiterer motorischer Fähigkeiten spielt eine Rolle, damit eine gute Leistung erzielt werden kann. Beim Geräteturnen lernt man den eigenen Körper besser kennen. Man weiss, wo man anfängt und wo man aufhört. Das ist ein Gewinn für das Leben. Und man trifft viele coole Leute, pflegt einen guten Umgang und erlebt so eine gute Zeit. Teamgeist, das Vereinsleben und die Zusammenarbeit mit dem Trainer sind sehr motivierend und fördern den sozialen Zusammenhalt.

Was braucht es, um Höchstleistungen in den Disziplinen Boden, Ringe, Sprung, Barren und Reck zu erzielen?

Fabio Gasser: Es braucht sicher eine gute Vorbereitung. Am Wettkampf selbst ist ein gutes Mass an fokussiertem Arbeiten notwendig. Gleichzeitig eine gewisse Lockerheit. Keine Verbissenheit. Und Selbstvertrauen in seine eigenen Leistungen. Gedanken an das, was man hier und dort besser machen könnte, sind zu vermeiden. Man vertraut auf sein Können – und absolviert die Übung!

Wie haben Sie den Wettkampf in Ihrer Abteilung erlebt?

Fabio Gasser: In meiner Gruppe waren vor allem Luzerner und Ob- und Nidwaldner. Wir konnten im Team gut starten. Am Reck erfolgte eine strenge Notengebung. Das wussten wir aber. Boden, Ringe, Sprung, Barren, alles lief problemlos. Die Stimmung war sehr cool, ähnlich wie an einer Schweizer Meisterschaft. Es turnten aber nicht nur Männer, sondern auch Frauen. Und das ergab eine ganz interessante und abwechslungsreiche Atmosphäre. Der Wettkampf verlief sehr spannend und zum Teil ausgeglichen.

Wie gehen Sie mit der Anspannung an einem solchen Wettbewerb um?

Fabio Gasser: Das ist eigentlich schwierig zu sagen. Ich versuche meine Gedanken nicht immer auf meine Übungen zu lenken, sondern locker zu bleiben. Konzentration, Ruhe, Gelassenheit und Selbstvertrauen können im Verlaufe der Jugendjahre aufgebaut werden.

Welche weiteren Ziele verfolgen Sie im Turnsport? Welche in Ihrer beruflichen Laufbahn?

Fabio Gasser: Im Turnsport mache ich eine Pause, denn am Montag trete ich in die Flieger-
Rekrutenschule ein. Es ist deshalb ungewiss, wann ich wieder beim Wettkampfturnen mitmachen kann. Mein Ziel ist aber, im Turnsport wieder aktiv zu werden und den Schwierigkeitsgrad an gewissen Geräten zu erhöhen. Im Militär stehe ich in der Selektionsphase zum Militärpiloten. Ich muss vorerst die Rekrutenschule absolvieren und anschliessend den Offiziersgrad erreichen. Dann folgt die letzte Selektionsstufe mit sechs Wochen Ausbildung auf dem PC-7. Nach diesem Ausbildungsgang wird entschieden, ob man eine Anstellung erhält. Dann folgt die eigentliche Ausbildung zum Militärpiloten. Und das ist mein Wunschziel.

Vielen Dank, Fabio Gasser, für Ihre offenen Antworten.

Das Interview führte Jost Peyer

Am Sprunggerät: Doppelsalto gebückt mit halber Drehung.
Medaillengewinner des BTV Luzern, in der Mitte Sandra Garibay und Fabio Gasser.