«Ich will kein Gelegenheitsbesucher sein»

Peter Schilliger

 

 

Am kommenden Montag wird Peter Schilliger, ehemaliger Gemeindepräsident von Udligenswil, im Nationalrat vereidigt. Der «Rontaler» traf den vielseitig engagierten Unternehmer und Zentralpräsidenten des Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnikverbandes suissetec zum Interview.

Ihr Vorgänger Otto Ineichen war eine schillernde Figur. Wie ist es für Sie, in seine Fussstapfen zu treten?
Die Fussstapfen stehen nicht im Vordergrund. Ich übernehme ein Amt, das ich bekomme, weil Otto Ineichen leider gestorben ist. Sein Engagement war riesig, und vor allem auch seine Überzeugung, den Menschen zu helfen. Das war wirklich eindrücklich. Und deshalb darf man ihn durchaus als Vorbild behalten.

Gibt es etwas, das Sie von ihm übernehmen werden?
Sicher im Bereich Berufsbildung. Speranza könnte für mich ebenfalls ein Thema sein; wenn die Stiftung mich um einen Beitrag anfragt, kann ich mir das sehr gut vorstellen. In Energiefragen sind wir ebenfalls beide engagiert, auch wenn ich als Verbandspräsident vor allem auf Gebäudeenergien spezialisiert bin.

Wie muss man sich den Einstieg in den Nationalrat vorstellen? Gibt es eine Einführung für die Neuen, oder wie läuft das ab?
Das ist sehr spannend. Ich hatte am Freitag und Samstag die erste Fraktionssitzung, zu der ich erst auf der Gästeseite zugelassen war. Zudem habe ich Kontakt aufgenommen mit dem Staatsdienst, wo man mir jedoch sagte, man werde mir während der Session nähere Instruktionen geben.

Wie haben Sie die erste Fraktionssitzung erlebt?
Ich habe vor allem zugehört und geschaut, wie alles läuft. Bei der Frage der Subunternehmerhaftung, die mich als Verbandspräsident trifft, habe ich mich aber doch schon zu Wort gemeldet. Dort geht es um Haftungsfragen für Unternehmen, die Leute zu Billigstlöhnen und ohne Sozialleistungen anstellen. In diesem Zusammenhang gibt es verschiedene Aspekte, die sehr heikel sind. Persönlich bin ich der Meinung, dass ein Unternehmer, der das System missbraucht, auch bestraft werden muss. Schliesslich haben wir Gesamtarbeitsverträge, die es einzuhalten gilt.

Was werden die ersten wichtigen Geschäfte sein, die auf Sie zukommen?
Das ist nicht ganz einfach zu beurteilen. Ich habe gehört, dass man zehn Stunden reserviert hat für die Landwirtschaftspolitik und dessen Budgets der nächsten vier Jahre – ein Gebiet, in dem ich nicht so sehr zu Hause bin. Da ich bis jetzt noch nicht mit sehr vielen Unterlagen bedient wurde, konnte ich mich auch noch nicht eingehend einlesen.

Haben Sie schon Vorstellungen, in welcher Kommission Sie Mitglied werden?
Mich interessieren drei Bereiche: die Berufsbildung, Fragen der Sozialversicherungen; beide sind auch für mich als Arbeitgeber sehr relevant. Zum Beispiel: wie lösen wir die Unterfinanzierungen, die zum Teil bestehen. Das Dritte sind Energiefragen, ein Bereich, der mir als Gebäudetechniker naheliegt. Ich weiss bereits, dass ich wie schon Otto Ineichen Mitglied der Wissenschafts- und Bildungskommission werde. Mich freut das und stimmt für mich.

Nun sind Sie für Udligenswil bereits der zweite Vertreter im Nationalrat. Ist das eine Premiere, oder war die Gemeinde schon früher ein guter Nährboden für nationale Politiker?
Es gab meines Wissens erst einmal einen Udligenswiler Nationalrat Anfang 20. Jahrhundert (Anmerkung: Peter Knüsel von 1903 bis 1931. Dass ein so kleines Dorf mit 2200 Einwohnern gleich zwei Nationalräte stellt, ist ein absoluter Zufall, der vermutlich kaum je wieder eintreten wird.

Welche Vorsätze haben Sie gefasst für Ihr neues Amt?
Vor allem für die Berufsbildung möchte ich ein Patron zu sein. Ich stelle fest, dass viele, die über Berufsbildung reden, aus dem akademischen Umfeld kommen und deren Wissen aus der Theorie oder vom Hörensagen stammt. Aus meinem persönlichen Engagement als Lehrmeister der Firma Herzog Haustechnik, bei der rund ein Viertel der 100 Mitarbeitenden Lernende sind, sowie als Betreuer von Bildungsverordnungen in meiner Funktion als Verbandspräsident kenne ich die Berufsbildung aus eigener Erfahrung. Ich weiss auch wie entscheidend die sozialen Aspekte sind, wenn ein junger Mensch in der Arbeitswelt Fuss fassen kann. Ich möchte als Arbeitgeber so etwas wie der Mister Berufsbildung werden – mal sehen, ob mir das gelingt. Aber diese Fahne möchte ich an vorderster Front tragen.

Gibt es andere Gebiete/Themen, für die Sie sich in der grossen Kammer besonders stark machen wollen?
Das ist die ganze Energiefrage, was wieder einen beruflichen Zusammenhang hat. Der Bundesrat hat den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Für die Umsetzung werden wir machbare und auch zahlbare Wege definieren müssen. Auch die Versorgungssicherheit wird im Vordergrund stehen. Dort werde ich versuchen, lösungsorientierte Ansätze ins Zentrum zu stellen und schauen, wie der Gebäudepark, d.h. die alten Häuser, beitragen kann, wie man die heutigen Hauseigentümer motivieren kann, an den Gebäuden zu arbeiten, Geld zu investieren. Das wird sicher ein wichtiger Teil sein, in den ich mich einbringen möchte.

Wie bringen Sie Ihre Arbeit im Kantonsrat sowie Ihre Aufgabe als Unternehmer, als FDP-Kantonalpräsident und als Verwaltungsrat verschiedener Organisationen mit dem neuen Amt unter einen Hut?
Das ist nicht ganz einfach. Als ich nicht gewählt wurde, habe ich mich natürlich anders orientiert. Niemand hätte damit gerechnet, dass ich so schnell nachrücken kann. Aus dem Kantonsrat werde ich am kommenden Dienstag verabschiedet. Ich werde zwei Tage sowohl für den Kantonsrat wie für den Nationalrat im Einsatz sein – zwei spannende Tage. Aus dem Verwaltungsrat der SUVA bin ich ebenfalls ausgetreten. Auch bei anderen Aufgaben werde ich versuchen zurückzubuchstabieren. Ich bin gewählt worden und will im Nationalrat kein Gelegenheitsbesucher sein, sondern meine Verpflichtung wahrnehmen und Präsenz zeigen. Im Geschäft habe ich zum Glück ein tolles Kader, das einen sehr guten Job macht. Dort kann man in weiten Teilen beim operativen Geschäft auf mich verzichten, was natürlich positiv ist.

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