In einer ausserordentlichen Pressemitteilung vom 23. Dezember 2019 teilt der Gemeinderat von Udligenswil mit, dass die vier Mitglieder der Bildungskommission per 31. Dezember 2019 ihr Mandat niederlegen. Hauptgrund des Rücktritts sind unterschiedliche Auffassungen zur Zusammenarbeit.

In der Udligenswiler Gemeindeordnung ist die Bildungskommission als strategisches
Beratungsorgan definiert. Sie untersteht dem Gemeinderat. Sie besteht aus fünf Mitgliedern, wobei das für das Ressort Bildung verantwortliche Mitglied des Gemeinderates von Amtes wegen Mitglied der Bildungskommission ist. Die Wahl der Mitglieder und des Präsidiums erfolgt durch den Gemeinderat. Die Schulleitung ist beratendes Mitglied.

Das Volksschulbildungsgesetz des Kantons Luzern sieht als weitere Variante eine
Bildungskommission mit Entscheidungskompetenz vor, die unter Vorbehalt der
Zuständigkeit des Gemeinderates für die Ausgestaltung des kommunalen
Volksschulangebots zuständig ist.

Udligenswil hat eine Bildungskommission mit beratender Funktion. Für die strategische
Führung der Schule ist der Gemeinderat zuständig, für die operative Führung die
Schulleitung. Im Sandwich dieser beiden Gremien steht die Bildungskommission mit ihren
beratenden Funktionen. „Das macht die Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat,
Bildungskommission und Schulleitung schwierig“, erklärte die ehemalige Präsidentin der
Bildungskommission, Cornelia Gabriel-Mathis in einem Gespräch. Zu dieser Ausgangslage
kamen noch die Erwartungen von Eltern und Lehrpersonen hinzu. So kam es immer wieder
zu Situationen, die für alle Beteiligten zu unbefriedigenden Ergebnissen führten.

Gerade in herausfordernden Situationen wollte die Bildungskommission einen Beitrag zum
Wohle der Schule leisten. Doch auf Grund ihres beratenden Mandats war zwar eine
Diskussion von Ideen und Vorhaben möglich, jedoch oftmals eine Umsetzung eher schwierig bis kaum möglich. Diese schwierige Ausgangslage beurteilten die Mitglieder der
Bildungskommission als zu wenig zielführend!“ hielt Cornelia Gabriel-Mathis weiter fest.
„Diese Erkenntnisse sind auch dem Verband der Bildungskommissionen des Kantons Luzern
bekannt. Udligenswil ist nicht die einzige Gemeinde, die sich mit dieser Problematik
auseinanderzusetzen hat. Die Bildungskommission will mit ihrem Rücktritt ein klares Zeichen zum Handeln setzen und hoffen, dass vor allem die Aufgabenverteilung und Rollen zwischen Gemeinderat, Bildungskommission, Schulleitung, Lehrpersonen und Eltern zukünftig klarer geregelt werden, als Basis für eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller beteiligten Personen zum Wohle der Schule.“

Auch Gemeindepräsident Thomas Rebsamen hält in einem kurzen Gespräch fest: „Es geht
nicht um Persönliches. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Bildungskommission im
Gegensatz zu den früheren Schulpflegen keine Entscheidungsbefugnisse mehr hat. Die
Rollenteilung zwischen Gemeinderat, Schule und Bildungskommission ist schwierig, da die
Kompetenzen der Bildungskommission nicht klar geregelt sind. Es geht um ein
Kompetenzgerangel, wer was wie wo zu bestimmen hat. Die Schule ist heute sehr
selbstständig, und sie hat einen Schulleiter, der seine Schule führt.“

In der Pressemitteilung hält der Gemeinderat fest, dass er den vier Entlassungsgesuchen
stattgegeben hat und den Ausscheidenenden für ihr grosses Engagement in der
Bildungskommission dankt. Damit eine effiziente und befriedigende Zusammenarbeit aller
Akteure in Zukunft gewährleistet ist, wird der Gemeinderat bis zum Amtsantritt des neuen
Gemeinderates vom 1. September 2020 die Aufgaben- und Rollenteilung zwischen der
beratenden Bildungskommission, der Schulleitung und dem Gemeinderat eingehend
überprüfen und aufarbeiten.

Jost Peyer