Sommerposse oder wie man den ÖV möglichst unattraktiv macht

Wie ist es möglich, dass die Gemeinde Buchrain die entscheidende Information, dass der
provisorische Bushub Ebikon nicht auf Dezember 2019 in Betrieb genommen wird, aus der
Tagespresse erfahren muss? Dies mit dem Resultat, dass die Busbenutzenden der Linie 22 dann einen Umsteigeweg von sage und schreibe 350 m in Kauf nehmen müssen. Wir unterstützen den Gemeinderat Buchrain in seiner Forderung nach einer besseren Lösung. Der Bushub Ebikon bringt nur dann einen Gewinn, wenn ein zeit- und wegnaher Umstieg bzw. Weiterfahrt angeboten wird. Was aktuell als Provisorium präsentiert wird ist wohl als
Sommerposse zu verstehen. Sie dient jedenfalls nicht zum Umstieg und ergo zur Attraktivierung des ÖVs. Nein, es ist ein echter Ablöscher!

Mirjam Urech, Vize-Präsidentin CVP Buchrain-Perlen

Längere Umsteigewege beim Bushub-Provisorium Ebikon

Mit grossem Erstaunen erfahren wir aus der LZ-Ausgabe vom 23. Juli von der Absicht der Verkehrsplaner, den ÖV-Nutzern der Buslinie 22 beim Umsteigen am Bahnhof Ebikon lange Umsteigewege auf die Linie 1 von und nach der Stadt Luzern zuzumuten. Auslöser ist eine erneute Beschwerde zum geplanten Bushub Provisorium, nachdem bereits der Bau des Bushubs durch Einsprachen blockiert ist. Bei der nun per Fahrplanwechsel im Dezember 2019 geplanten Übergangslösung werden, mit Ausnahme der neu bis zur Mall verlängerten Linie 1, alle übrigen Busse direkt an den Bahnhof Ebikon geführt. Aus diesem Planungsschritt resultiert nicht nur ein Umweg vom Bahnhof zur Haltestelle Hofmatt von
ca 350m, nein es besteht auch die Gefahr, dass sich die Reisezeit für die Buchrainer ÖV-Kunden unnötig verlängert und der Anschluss vom 22er auf den 1er öfter mal gebrochen wird. Die Buchrainer Bevölkerung sieht sich so zum wiederholten Male als Leidtragende bei überregionalen Planungs-Fehlern. So leidet Buchrain im Bereich des Autobahnanschlusses
bei der Reuss Brücke bereits heute unter täglichen Staus und auch unter den Umwegfahrten hunderter Lastwagen von Aldi, Real und der Papierfabrik, weil durch Root zum nahen Autobahnanschluss ein Lastwagen-Fahrverbot errichtet ist. Um nun die Nachteile der geplanten Übergangslösung bestmöglich abzuschwächen, unterbreiten die Verkehrsspezialisten der SP Buchrain-Perlen den zuständigen Planungsteam den folgenden Lösungsvorschlag: Die SP empfiehlt den 22-er ab dem Fahrplanwechsel nicht wie geplant
durch die Bahnhofstrasse, sondern entlang der Zentralstrasse bis zum Restaurant Sonne und dann via Dorf- und Riedmattstrasse zum Bahnhof zu führen. Mit dieser Linienführung wird ein Bedienen der Haltestelle Hofmatt und damit ein problemloses Umsteigen auf den 1er ermöglicht. Auch die Vorgaben aus dem Behindertengleichstellungsgesetz können so
eingehalten werden. Eine echte Win-Win Lösung, die auch bei einem länger andauernden Provisorium zufriedene ÖV-Nutzer bringen wird.

Klara Vogel-Truttmann, Präsidentin SP Buchrain-Perlen

Geschenk oder Propaganda?

Erst noch hat die Ebikoner Bevölkerung die Überbauung Weicheln abgelehnt. Im Areal Sagenmatt soll nun ein weiteres Mega-Projekt entstehen. Laut Medienberichten ist „ein attraktives Dorf“ auf 16 000m2 geplant. Die Ebikoner Bevölkerung wird über diesen Plan abstimmen können. Die Bauherrschaft ist gewarnt und die PR-Abteilung bereits heute sehr aktiv. Im Vorfeld wird berichtet, dass das Projekt ein sogenanntes Vorzertifikat von der „Stiftung Natur & Wirtschaft“ erhalten habe. „Dass eine Siedlung weit vor dem Spatenstich ausgezeichnet wird, ist selten“, schreibt der Rontaler am 11. Juli. Das ist in der Tat so. Als Architekt bin ich aber auch sonst erstaunt. Der Grossteil dieses Areals liegt am Mühlebach. Dafür gibt es bauliche Auflagen, die strikte zu befolgen sind und keine Auszeichnung benötigen. Die Zertifizierung überrascht auch deshalb, weil im „attraktiven Dorf“ ein langer, durchgehender Baukörper entstehen soll, der das Quartier Sagenmatt in zwei Teile trennen und alle umliegenden Bauten überragen wird. Mit „dörflicher Planung“ hat diese Mauer in einem Wohnquartier nichts zu suchen. Ja, und damit die Ebikoner Bevölkerung bereit ist, diese Kröte leichter zu schlucken, wird das Areal Sagenmatt nun den Vereinen vorübergehend zur Verfügung gestellt. Eine freundliche Geste oder vielleicht doch eher eine sehr gezielte PR-Offensive?

Jörg Condrau, Architekt ETH, Ebikon