Uber will nun Luzern erobern: Luzerner Taxifahrer erhalten Konkurrenz

Manch einer freute sich, als im Dezember 2019 publik wurde, dass Uber nun seine Dienste auch in der Agglomeration Luzern anbietet. Als liberal denkender und der freien Markwirtschaft zugetaner Bürger dachte ich zunächst auch positiv über das neue Angebot; dies nach dem Motto: «Konkurrenz belebt das Geschäft». Aber halt: Agieren hier die Marktteilnehmer mit gleich langen Spiessen? Da gibt es ein paar Punkte, welche mich kritisch stimmen. So zum Beispiel das Thema Soziale Sicherheit. Arbeitnehmer in der Schweiz sind gut gegen Unfall, Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter versichert. Werden beim Geschäftsmodell Uber all diese «Versicherungsprämien» durch den Arbeitgeber (Uber?) oder den Arbeitnehmer (Selbständigerwerbender Vertragsfahrer?) wahrheitsgetreu entrichtet? Ist dies nicht der Fall, so ist das Risiko eines Fahrers gross, bei einem negativen Ereignis während der Erwerbstätigkeit oder im Alter durch die Maschen des Sozialsystems zu fallen. Auffangen müssen dann diese Bürger die Gemeinden; dies unter anderem mittels
Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen. Ein weiteres Thema ist die Steuergerechtigkeit. Diese ist in der Schweiz (bemessen wird nach der individuellen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit) sehr hoch und dementsprechend sind nicht versteuerte Erträge im internationalen Vergleich sehr tief. Wird diese Gerechtigkeit beim Geschäftsmodell Uber sichergestellt? Für mich eine unbeantwortete Frage. Zusammen mit der Digitalisierung eröffnen die Trends der «Sharing und Gig Economy» neue Geschäftsmodelle. Die Gesetze in den Bereichen Soziale Sicherheit und Sozialabgaben, Steuern sowie Arbeitszeit und -sicherheit müssen aber eingehalten und dürfen nicht umgangen werden. Ob dem so ist werden wohl bald die Gerichte entscheiden. Ob es zudem in der heutigen klimabewussten Zeit überhaupt Sinn macht, wenn zusätzliche, unökologische Fahrzeuge in der sonst schon staugeplagten Agglomeration Luzern herumfahren, muss jeder für sich entscheiden.

Stephan Betschen, Buchrain, Kantonsrat / Mitglied GASK, Gemeinderat Buchrain

Einser für den 1er oder Pech für Buchrain

Verspätungen und überfüllte Busse sind im Rontal seit gefühlter Ewigkeit ein Ärgernis. Die
Verlängerung der Linie 1 nach Ebikon brachte da statt einer Verbesserung eher Probleme, die bisher gar kein Thema waren. Durch den noch fehlenden Bushub in Ebikon ist für Buchrain eine «Übergangslösung» entstanden welche schlicht untragbar ist. Dies trotz zahlreicher Interventionen des Buchrainer Gemeinderats und der SP Buchrain. Die Linie 22 verkehrt bekanntermassen nur noch bis zum Bahnhof Ebikon und nicht mehr bis nach Luzern. Das wird zum Problem, denn die notwendige Infrastruktur zum Umsteigen beim Bahnhof Ebikon und der provisorischen Haltestelle neben dem Gemeindehaus fehlt komplett. Es gibt weder einen Unterstand, um sich vor Wind und Wetter zu schützen, noch Sitzgelegenheiten. Dies ist insbesondere für ältere Menschen ein unmöglicher Zustand, gerade im Winter. Auch für die Busfahrer*innen gibt es keinerlei Infrastruktur. Von einer Unterkunft zur Überbrückung der Wartezeit wie beim Bahnhof Luzern sind sie komplett abgehängt. Pendelnde Arbeitnehmende beklagen sich über unpünktliche Verbindungen und längere Wartezeiten. Abends fällt der 1er durch nie dagewesene Verspätungen auf, was die Möglichkeit auf einen guten Anschluss an den 22er zu einem Glücksspiel macht. Zu oft können Reisende nach Buchrain dem bereits an der Haltestelle stehenden 22er nur noch nachwinken, da zunächst die vierspurige Strasse überquert werden muss, um zum Anschluss zu gelangen. Hier wäre mit der von der SP Buchrain vorgeschlagenen gemeinsamen Haltekante mit der Linie 1 bei der Hofmatt nach wie vor eine bessere Lösung möglich! Das erklärte Ziel der Verlängerung der Linie 1 war es, den öV attraktiver zu machen und die Menschen zum Umsteigen auf die ökologisch sinnvollere Alternative zum MIV zu bewegen. Doch sind wir leider noch meilenweit entfernt. So brauchen pünktlich verkehrende Busse und Züge für die Verbindung Buchrain-Horw in der Stosszeit mindestens 38 , meistens aber eher 45 Minuten. Mit dem Auto ist dieselbe Strecke via Autobahn in knapp 15 Minuten zurückgelegt. Nur Menschen mit hohem Idealismus oder mangelnder Alternative werden bei dieser Rechnung den öV bevorzugen. Die SP Buchrain bedauert die verpasste Chance, hofft aber nach wie vor auf eine Optimierung der bestehenden Situation.

Stefan Bucher, Mitglied SP Buchrain, Vorstandsmitglied JUSO Stadt Luzern