NOTTWIL – In Simulationsräumen können Ersthelfer den Notfall üben 

pd. Der Patient erleidet mitten in der Operationsvorbereitung einen Herzinfarkt. Oder auf der Intensivstation fällt plötzlich der Strom aus: Solche Ausnahmesituationen fordern das Spitalpersonal. Damit es im Ernstfall bestmöglich auf derartige Szenarien reagieren kann, ist es wichtig, dass es solche Situationen immer wieder übt.

Am Schweizer Institut für Rettungsmedizin SIRMED erhalten Fachkräfte aus der ganzen Schweiz jetzt die Möglichkeit, Notfälle realitätsnah durchzuspielen. Anfangs September wurden im SimCenter der SIRMED auf dem Campus der Schweizer Paraplegiker-Stiftung in Nottwil zwei moderne Simulationsräume eröffnet. Diese können variabel als Operationssaal, Intensivstation oder Schockraum eingerichtet werden. Spitäler aus der ganzen Schweiz können diese Infrastruktur mieten, um selbstständig Simulationstrainings für das eigene Personal durchzuführen oder entsprechende Kurse bei SIRMED zu buchen. 

Übungs-Puppen reagieren allergisch

Die Simulationsräume sind schweizweit die modernsten ihrer Art. Sie verfügen über sämtliche technischen Finessen und neuesten Gerätschaften. In den neuen Räumlichkeiten üben die Fachkräfte mit Hightech-Puppen. Diese können schwitzen, atmen, bluten und sprechen. Ihre Pupillen reagieren gar auf Lichtreize. Der Übungsleiter kann bei den Puppen zudem per Fernsteuerung zum Beispiel allergische Reaktionen oder Herzinfarktsymptome auslösen. Die Fachkräfte müssen derweil herausfinden, was dem Patienten fehlt und entsprechend handeln. «Dank dieser Puppen und der neuen Räume können wir bei den Übungen realitätsnahe Bedingungen bieten», sagt Kai Kranz, SIRMED-Bereichsleiter CME (Continuous Medical Education).

Simulationen im Rahmen von Aus- und Weiterbildungen gehören in der Medizin schon lange zum Standard. In der Schweiz gibt es nur rund ein halbes Dutzend Simulationszentren. Die meisten von ihnen befinden sich in Besitz von grösseren Spitälern und werden vorwiegend benötigt, um das eigene Personal zu schulen. «Doch längst nicht jedes Spital kann sich solche Infrastrukturen leisten», sagt Helge Regener, Geschäftsführer SIRMED. «Hier in Nottwil erhält nun auch das Personal von kleineren und mittleren Schweizer Spitälern die Möglichkeit, Simulationskurse durchzuführen. Rettungsdienste nutzen diese Chance bereits seit Jahren.»