Was erwartet uns im 2016? Luzerner Unternehmer liessen sich an der Impulsveranstaltung «Luzern 16» des Kantonalen Gewerbeverbands auf das kommende Jahr einstimmen.

 «Wenn ich 1815 jemanden nach den wirtschaftlichen Aussichten fürs nächste Jahr hätte fragen müssen, wäre das wohl Napoleon Bonaparte gewesen», sagte Gaudenz Zemp in seiner Einleitung zur Impulsveranstaltung «Luzern 16» vom Donnerstagabend in der Messe Luzern. Doch weil wir im Jahr 2015 leben, wandte sich der Luzerner Gewerbeverbandsdirektor an Henri Gétaz, Hans-Ulrich Bigler und Marcel Schwerzmann. Gétaz, Leiter der Direktion für europäische Angelegenheiten beim Bund, ist überzeugt, dass die vorherrschende Unsicherheit in Gesellschaft und Wirtschaft auch im Jahr 2016 eine hemmende Wirkung haben wird. «Je länger wir bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und der Unternehmenssteuerreform III unklare Verhältnisse haben, desto mehr investieren die Firmen im Ausland.» Was heute europapolitisch auf dem Spiel stehe, sei viel mehr als die Frage der Beschränkung der Zuwanderung. Es gehe letztlich um die grundsätzliche Verflechtung der Schweiz mit ihrer europäischen Nachbarschaft. Gerade in den Bereichen Strom und Finanzdienstleistungen sei unser Land rasch auf einen optimalen Marktzugang in die EU angewiesen. In diesem Sinne bat Gétaz alle aktiven Kräfte aus Wirtschaft und Politik um Unterstützung im Kampf um optimale Rahmenbedingungen.

Regulierungsdschungel abholzen

Was läuft 2016 auf Bundesebene? Für Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, ist klar, dass die Finanzkrise und das Problem der Verschuldung in den nächsten 12 Monaten nicht gelöst werden können. «Die Wirtschaft prosperiert, wenn sie in Ruhe gelassen wird», sagte er vor den rund 400 anwesenden Zuhörern. «Nur wenn die Unternehmer nicht behindert werden, können sie Eigenverantwortung übernehmen, Risiken eingehen und Arbeitsplätze schaffen.» Die aktuelle Überregulierung führe zu einem Produktionsverlust in den Firmen und hemme damit das Wachstum der Branchen und letztlich der Schweizer Wirtschaft. Aus diesem Grund bekämpfe sein Verband mit Vehemenz neue Steuern, Gebühren und Abgaben. Viele sogenannte Lenkungsabgaben hätten vor allem für kleinere Unternehmen eine übermässige administrative Belastung zur Folge. Um diesen Regulierungsdschungel zu «verholzen», brauche es einerseits einen bürgerlichen Schulterschluss, andererseits eine mittel- bis langfristig ausgerichtete Politik statt kurzfristigen Aktivismus.

Konsolidierung auf Kantonsebene

Gleiches erwartet Regierungsrat Marcel Schwerzmann auf kantonaler Ebene: «Unser Kanton hat sich steuerlich vom hässlichen Entlein zum stolzen Schwan gemausert.» Deshalb sei der eingeschlagene Weg konsequent weiterzugehen. Gift für die Entwicklung unseres Kantons sei die Initiative der politischen Linken zur Wiedererhöhung der Gewinnsteuer für Unternehmen: «Mit einer Abkehr von unserer erfolgreichen Steuerstrategie, von der notabene nicht nur die juristischen, sondern vor allem die natürlichen Personen profitiert haben, würden wir wieder in die Mittelmässigkeit abrutschen.» Tatsache sei aber auch, dass die wachsenden Einnahmen nicht mit den noch stärker wachsenden Ausgaben Schritt halten könnten. Es gelte deshalb, das Ausgabenwachstum klar abzuflachen. Dafür gehe der Kanton nächstes Jahr das Konsolidierungsprogramm 2017-2019 an. «Unser Ziel muss es sein, dass alle zusammenstehen, um Ballast abzuwerfen, die Strukturen zu vereinfachen und dadurch letztlich den Kanton zu stärken.» Ein Lichtblick für die Wirtschaft sei im Übrigen, dass der Seetalplatz als grösster Verkehrsknotenpunkt im Kanton ab 2016 voll funktionstüchtig werde.

Gewerbler interviewen CEOs

Welche Veränderungen die Schweiz 2016 auf gesellschaftlicher Ebene durchleben wird, prognostizierte Roland Huber vom Marktforschungsinstitut Demoscope. Ein besonderer Leckerbissen waren schliesslich die beiden TV-Interviews einheimischer Gewerbevereinspräsidenten: Beat Knapp (Rontal) und Heinz Niederberger (Hochdorf) befragten Felix Graf, CEO der CKW, zum Thema Energiewende. Pepe Kaufmann (Kriens) und Andreas Birrer (Sursee) waren zu Gast bei Daniel Salzmann, CEO der Luzerner Kantonalbank, um Näheres zu den kurzfristigen Auswirkungen der Frankenstärke zu erfahren. Der abschliessende Apéro riche bot den Teilnehmern die Gelegenheit, die gewonnenen Erkenntnisse weiter zu vertiefen und neue Kontakte zu knüpfen. Übrigens: «Luzern 17» findet am 17. November 2016 statt.

Gastgeber Gaudenz Zemp vom KGL und die drei Key-Referenten Marcel Schwerzmann, Henri Gétaz und Hans-Ulrich Bigler.
Gastgeber Gaudenz Zemp vom KGL und die drei Key-Referenten Marcel Schwerzmann, Henri Gétaz und Hans-Ulrich Bigler.

 

Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Bilder zVg.
Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Bilder zVg.