Vom Mut hinzuhören

Ein sehnsüchtiges Flüstern, ein stummer Aufschrei, ein Gemurmel oder ein Empfinden, als würden alle unsere Zellen jubeln: Unsere innere Stimme hat viele Gesichter. Sie ist meist nicht laut und kann doch unglaublich penetrant sein. Es ist nicht die (angelernte) Stimme in unserem Kopf, die uns sagt, dass es Konsequenzen hat, wenn wir uns nicht benehmen, sondern mehr eine Ahnung, ein Gefühl. Aus Italien stammt der Spruch «Intuition ist eine durch alle Denkbarrieren plätschernde kosmische Zärtlichkeit». Bei dieser Aussage geht mir das Herz auf. Doch hegt das Universum wirklich solche Gefühle für uns? Wie lässt sich das dann mit der Tatsache verbinden, dass das Wahrnehmen unserer Intuition manchmal mit sehr unangenehmen Gefühlen einhergeht? Warum versuchen wir so oft, ihr Vorhandensein zu leugnen und sie mit äusseren Reizen zu übertönen? Wahrscheinlich liegt das daran, dass das Hinhören viel Mut von uns verlangt. Mut zur Erkenntnis und in der Folge manchmal eben auch Mut zur Tat. Es fällt uns leichter, die Tatsache zu ignorieren, dass unser Job nichts für uns ist, als uns wieder aufs – gefühlte – Glatteis des Stellenmarkts zu begeben. Oder die Stimme, die uns sagt, dass wir auf der Suche nach Erfüllung schon vor 200 Kilometern falsch abgebogen sind. 200 Kilometer, die wir nun erst wieder zurückgehen müssten. Also reden wir uns lieber ein, dass das Glück bestimmt hinter der nächsten Biegung wartet. Änderung ist oft mit Anstrengung und einem gewissen Risiko verbunden. Doch ohne unseren inneren Kompass treibt es uns hierhin und dorthin und die Erfüllung unserer innersten Wünsche und Bedürfnisse rückt in weite Ferne. Ein weiteres Problem ist, dass uns die Erkenntnis trotzdem irgendwann einholen wird. Und dann sind aus den 200 vielleicht schon 400 Kilometer geworden. Die Haltung des Freiheitskämpfers und Revolutionärs Mahatma Gandhi zu diesem Thema? «Der einzige Tyrann, den ich in dieser Welt anerkenne, ist die leise innere Stimme».

Ihre LiBella