«Wie eine Löwin unter Mäusen» – Teil 2

Im letzten Bellaphorum hatten wir es von der Löwin unter Mäusen. Und wie sie sich mäuseklein fühlt, weil sie es nicht anders kennt. Doch wie kann sich daran etwas ändern? Es ist nachvollziehbar, dass sich die Löwin das Jagen nicht zutraut. Als Maus käme ein Kampf gegen Giraffen, Büffel oder gar Elefanten einem Himmelfahrtskommando gleich. Eine schwierige Situation also, beinahe schon ein Teufelskreis. Wichtig ist, dass sie ihrer inneren Stimme vertraut. Die Löwin merkt, dass das Maussein ihr nicht liegt. Zieht ein Löwenrudel vorbei, verspürt sie eine unerklärliche Sehnsucht. Soll sie sich ihm nähern? Natürlich bräuchte das unendlich viel Mut. Doch aufgrund dieser Erfahrung würde sie merken, dass sie bei den Löwen eben keine Aussenseiterin ist. Sie könnte von ihnen den Umgang mit Artgenossen und die Kunst des Jagens lernen. Wahrscheinlich würde sie sich das erste Mal wirklich lebendig fühlen. Bliebe sie bei den Mäusen, würde sie hingegen mehr und mehr verkümmern und sich irgendwann resigniert ihrem Schicksal ergeben. Natürlich lässt sich dieses Beispiel nicht eins zu eins auf uns Menschen übertragen. Uns passiert es eher selten, dass wir uns für eine andere Spezies halten. Schliesslich gibt es Spiegel, die uns aufzeigen, WAS wir sind. Aber der Blick in den Spiegel zeigt noch nicht, WER wir sind. Er zeigt nicht, dass wir uns für unfähig halten, weil uns stets weisgemacht wurde, wir würden den Ansprüchen nicht genügen. Oder dass wir denken wir seien unzumutbar, weil unsere Gefühle als «unangebracht» abgetan werden. Doch nur weil wir solche Erlebnisse hatten und daraus unsere Schlüsse gezogen haben, heisst das noch lange nicht, dass mit uns etwas nicht stimmt. Die Wahrheit dürfte eher sein, dass wir ein reiches Gefühlsleben besitzen – und möglicherweise unsere Eltern damit nicht umgehen konnten. Was es auch ist, ich glaube, wenn man den eigenen Überzeugungen auf die Spur kommt, ist der Weg frei für neue Erfahrungen. Machen wir uns also auf die Suche nach Orten und Menschen, die uns das Gefühl geben, dazuzugehören. Ohne dass wir uns dabei verbiegen müssen.

Ihre LiBella