Fantasie – bitte verlass mich nie

Blühend oder schmutzig kann sie sein, man kann ihr freien Lauf lassen oder aber sie geht mit einem durch. «Keinen Drachen kann man so hoch steigen lassen wie den der Phantasie» sagte die amerikanische Schauspielerin Lauren Bacall einst. Die Fantasie bezeichnet gemäss Wikipedia eine kreative Fähigkeit des Menschen. Im engeren Sinn ist vor allem die Fähigkeit gemeint, innere Bilder und damit eine «Innenwelt» zu erzeugen. Fantasie gilt als Voraussetzung für Empathie und ist förderlich für Kunst sowie für zweckgerichtetes Handeln. In schwierigen Situationen kann sie helfen, die Hoffnung aufrecht zu erhalten – das hat auch Lady Gaga erkannt: «We need fantasy to survive because reality is too difficult». Geht es um Realitätsflucht, ist sie also das perfekte Werkzeug. Sind jedoch Ängste im Spiel kann uns die eigene Vorstellungskraft das Leben zur Hölle machen. In den schillerndsten Farben malen wir uns aus, was alles geschehen könnte, und es fällt uns schwer unser geistiges Auge wieder vom selber entworfenen Bild abzuwenden. Oder aber wir malen gleich alles schwarz. Erich Kästner meinte dazu einmal: «Fantasie ist eine wunderbare Eigenschaft, aber man muss sie im Zaum halten». Für die meisten berühmten Sportler ist das Training ihrer Vorstellungskraft deshalb genau so wichtig wie das reale Training. So lautet ein Zitat von Andrew Agassi: «Ich habe Wimbledon 10’000 Mal im Kopf gewonnen». Gedanken und Vorstellungskraft beeinflussen neben der Stimmung auch Körper und Organe. Malt man sich zum Beispiel bildhaft aus, wie man in eine Zitrone beisst, bildet sich vermehrt Speichel und man verzieht automatisch das Gesicht. Doch wie kann man die Macht der Vorstellung zum eigenen Vorteil nutzen? Zum Beispiel indem man mit gezielten Fragen wie «Worauf kann ich heute stolz sein?» den Gedanken-Fokus auf positive Dinge lenkt. Denn wäre es nicht schön, den Fantasiedrachen selber zu lenken anstatt ihn einfach den launischen Winden zu überlassen?

Ihre LiBella