Fokus Schule

Der Lehrerberuf ist attraktiv. Das findet auch Anita Hadergjonaj, die seit vergangenem Sommer Fünftklässler in Root unterrichtet.

Anita Hadergjonaj, Sie befinden sich in Ihrem ersten Schuljahr als Lehrerin. Sind Sie immer noch begeistert von Ihrem Job?

Klar. Ich finde, es gibt nichts Schöneres, als zusammen mit Kindern etwas zu erarbeiten und ihren Rucksack für den weiteren Lebensweg auffüllen zu helfen. Das geniesse ich voll und ganz. Die Kinder geben dir ja auch viel zurück. Wenn du mal einen schlechten Tag hast, bauen sie dich wieder auf. Ich bin auch dankbar, dass mich das Lehrerteam in Root so herzlich aufgenommen hat. Sie unterstützen mich, wo sie können und lassen mir die nötige Zeit, um in der Schule richtig anzukommen.

Gab es auch etwas, das Sie sich ganz anders vorgestellt hatten?

Im Vorfeld hörte ich von einigen Lehrpersonen, dass das Lehrersein nie aufhört. Deshalb nahm ich mir vor, Schule und Freizeit klar zu trennen. Ich merkte aber schnell, dass das nicht möglich sein wird. Die Schule ist fast immer präsent. Am Abend und auch am Weekend kommt mir plötzlich wieder etwas in den Sinn, das ich in den Unterricht einbauen könnte. Das ist für mich aber überhaupt kein Problem, schliesslich will ich mich ja laufend verbessern.

Sie sind einerseits jung, andererseits eine Frau. Hatten Sie zu Beginn keine Autoritätsprobleme?

Ich wusste aufgrund meines fünfwöchigen Praktikums in dieser Klasse genau, was auf mich zukommt. Das war sicher ein Vorteil. Zudem war ich von Anfang an sehr kleinlich und ich habe hart durchgegriffen. Das kommt mir heute zugute. Nichtsdestotrotz konnte ich eine gute persönliche Beziehung zu den Kindern aufbauen. Das zeigt sich zum Beispiel am Freitag, wenn ich Pausenaufsicht habe. Einige Kinder bleiben bei mir und bilden quasi einen Kreis um mich. Ich dachte, das sei nur am Anfang so. Doch es hält bis heute an. Das freut mich sehr.

Hat es Ihnen geholfen, dass Sie Albanerin sind und damit den gleichen Hintergrund haben wie einige Ihrer Schülerinnen und Schüler?

Nein, im Schulalltag nicht. Dass ich albanische Wurzeln habe, hilft mir vor allem im Kontakt mit jenen Eltern, die einen albanischen Hintergrund haben und gebrochen Deutsch reden. Bei gewissen Elterngesprächen brauchen wir deshalb keine Dolmetscher.

Der Lehrplan 21 setzt auf kompetenzorientierten Unterricht. Was bedeutet das für Sie persönlich?

Kinder sollen nicht einfach ein Blatt durchlesen und den Stoff auswendig lernen. Ziel ist es, ihn zu verstehen und zu transferieren. Sie sollten also in der Lage sein, das Gelernte auch in einem anderen Zusammenhang anzuwenden, damit es nachhaltig bleibt. Die Kinder selber merken nicht viel vom Lehrplan 21. Und wenn sie eine Veränderung feststellen, beziehen sie es ohnehin auf die neue Lehrerin.

Alex Piazza

Begeisterte Newcomerin: Anita Hadergjonaj ist seit Sommer 2017 als Primarlehrerin in Root tätig. Bild apimedia