EBIKON – Wenig Grund zur Freude hatten an diesem Wochenende die Verantwortlichen der Mall of Switzerland. Die «Sonntagszeitung» zeichnete in einem grösseren Artikel ein düsteres Bild von der aktuellen Situation im zweitgrössten Einkaufscenter der Schweiz. Sie berichtet von rückläufigen Kundenzahlen und fehlenden Einnahmen.

«Statt ein brummender Konsumtempel scheint die Mall of Switzerland derzeit eher der teuerste Spielplatz der Schweiz zu sein. 450 Millionen Franken haben die Inves­toren aus dem Emirat Abu Dhabi ins Projekt investiert. Acht Mo­nate nach der Eröffnung kämpft die Mall mit erheblichen Ertragsproblemen», steht da nachzulesen. Und: «Wie Recherchen zeigen, sind die Umsätze des 65’000 Quadratmeter grossen Shoppingcenters nicht mal ansatzweise dort, wo man sie erwartet hatte. Das Management ist extrem nervös, weiss ein Gewährsmann.» Das erstaune nicht, denn bei den in der Mall eingemieteten Geschäften rumore es. Es laufe katastrophal, so die Aussage eines Mieters. Auch das Zentralschweizer Fernsehen Tele 1 griff das Thema am Sonntagabend auf, ohne aber weitere Fakten zu liefern.

Ein längst bekanntes Phänomen

Centerleiter Jan Wengeler nimmt dazu wie folgt Stellung: «Das Center Management der Mall of Switzerland versteht nicht, warum die Sonntagszeitung in ihrer letzten Ausgabe die aktuelle Situation in der Mall in negatives Licht rückt. Dass bei der vermietbaren Fläche in der Mall noch knapp 20 Prozent Potenzial besteht, ist längst bekannt. Und auch, dass an einem Mittwochnachmittag im Sommer zeitweise weniger Kunden einkaufen gehen, ist ebenfalls ein längst bekanntes, allgemeines Phänomen – speziell in Shoppingcentern.»

Die Mall ist auf Kurs

Weiter meint Wengeler: «Fakt ist: Die Mall of Switzerland ist auf Kurs, die Umsätze der Läden entspricht gesamthaft den Erwartungen. Die Vermietung der verbleibende Flächen schreitet stetig und erfolgreich voran. So eröffnet beispielweise am 13. September die erste Indoor-Surfanlage der Schweiz in der Mall und im November kommt eine grossflächige MedCenter-Gruppenpraxis mit vorerst vier Ärzten hinzu.» Die Vermietungsstrategie der Mall of Switzerland setze bewusst auf Mieter, welche den aktuellen Angebotsmix in den Bereichen Einkauf, Freizeit, Gastronomie, Services und medizinische Versorgung optimal ergänzten. Die Vermietungsexperten gingen dabei sehr sorgfältig und mit Bedacht vor. Ziel sei ein hohes Qualitätsniveau, basierend auf einer ausgewogene Mischung an lokalen, schweizerischen und internationalen Marken und Anbietern. «Die derzeit noch verbleibenden Freiflächen wurden weitgehend zusammenhängend im Attikageschoss konzentriert, um möglichst viel Bewegungsfreiheit für Mieter mit unterschiedlichem Flächenbedarf zu haben. Gerade Angebot im Bereich Freizeitnutzung sind ja oft mit grösseren Platzbedarf verbunden», so Wengeler. Von Plänen für eine «Umnutzung» dieser Flächen ausserhalb des Konzeptes, oder davon, die Verantwortlichen der Mall seien nervös, wie die Sonntagszeitung zu wissen glaubt, könne keine Rede sein.

Wir fragten nach

Wir fragten bei Jan Wengeler noch etwas genauer nach und stellten dem Centerleiter einige Fragen zur Situation und zu den weiteren Plänen in der «Mall».

rontaler: Herr Wengeler, es gibt Ladenbesitzer die klagen, die anfängliche Frequenz in der Startphase habe deutlich abgenommen. Wie entwickeln sich die Frequenzen tatsächlich?

Jan Wengeler: In der Tat hat die Mall in den ersten Monaten stark von der Sensation der Eröffnung bzw. der Neugier der Besucherinnen und Besucher profitiert. Ebenso sorgten darauffolgende Sale-Events (Black Friday, Winter Sale, Weihnachts- und Ostergeschäft) für anhaltend hohe Besucherzahlen. Jetzt im Sommer ist der Umsatz saisonal bedingt rückläufig – wie in allen Einkaufszentren der Schweiz. Die gleiche Entwicklung ist auch im europäischen Shoppingcenter-Markt zu beobachten. Speziell in Deutschland sind die Shoppingcenter saisonal mit rückläufigen Kundenfrequenzen konfrontiert. Mit einem abwechslungsreichen Eventprogramm, wie z.B. derzeit unser Public Viewing, sind wir indes bestrebt, unseren Kunden etwas zu bieten und so Gegensteuer zu geben. Beispielsweise bieten wir mit dem «EbiBeach», der am Samstag offiziell eingeweiht wurde, ein echtes Beach-Feeling direkt vor der Mall. Im Weiteren erwarten wir, dass wir nach den Sommerferien – etwa mit der Eröffnung der Indoor-Surfwelle «Citywave» – einen erneuten Boost von neuen Besuchern generieren werden.

Kommt die Mall den jetzigen Mietern mit Mietzinsreduktionen entgegen?

Vertragsinhalte zwischen den Parteien werden grundsätzlich nicht kommentiert.

Wie viele der Pavillons vor der Mall sind belegt und generieren auch tatsächlich Mieteinnahmen?

Momentan sind zwei von vier Pavillons belegt. Es handelt sich um Kooperationen mit dem Verkehrshaus sowie Indian Motocycles. Ein weiterer Shop ist in Verhandlung mit einem Anbieter, der die gegenüberliegende Wave ergänzt. Darüber hinaus ist ein weiteres gastronomisches Konzept in Planung, dies zur Ergänzung der gastronomischen Vielfalt des «Ebisquare».

Wann kommt die Welle als Attraktion – der Start wurde ja bereits mehrfach verschoben?

Das Grand Opening der Indoor-Surfwelle «OANA» findet vom 13. bis 16. September statt. Mit der Schweizer Firma Pointbreak Events GmbH haben wir eine hervorragende Betreiberin gefunden, mit der das ursprünglich geplante Rahmenprogramm mit passender Gastronomie ausgebaut und für die Zielgruppe breiter gestaltet werden konnte.

Es fällt auf, dass kaum Touristen in der Mall unterwegs sind. Ist man von den anfänglichen Plänen abgerückt, Touristen aus der City von Luzern nach Ebikon zu bringen?

Zurzeit spielt der Tourismus noch eine untergeordnete Rolle, wird aber in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Nebst einem möglichst breit gefächerten Einkaufsangebot wollen wir mit einem Schlechtwetter-Programm – wie der neuen Surfwelle – vermehrt Touristen aus Luzern nach Ebikon locken. Ferner wurden soeben auch die Planungsarbeiten für das neue Hotel am Ebisquare aufgenommen.

 

Centerleiter Jan Wengeler kann nicht, verstehen, weshalb die Sonntagszeitung die aktuelle Situation der Mall ins negative Licht rückt. Bild zVg.