Bereits im November 2013 hatte das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport im Zuge des neuen Stationierungskonzeptes bekannt gegeben, dass man zukünftig auf den Militärflugplatz Sion verzichten werde. Ab 2018 werden deshalb in Emmen jährlich etwa 1100 militärische Flugbewegungen mehr durchgeführt.

ste. Vergangenen Dezember unterzeichneten das VBS, der Kanton Wallis und die Stadt Sitten eine Grundsatzvereinbarung, in welcher konkrete Schritte bezüglich des Übergangs von der militärischen zur zivilen Nutzung des Flugplatzes festgelegt worden waren.

Auch wenn der Flugplatz erst nach 2021 definitiv in die zivile Verantwortung übergeben wird, findet in Sion bereits ab dem 31. Dezember 2017 kein regelmässiger Flugbetrieb mehr statt. Die jährlich rund 3600 Jet-Flugbewegungen, das heisst Starts und Landungen, müssen spätestens ab diesem Zeitpunkt auf andere Flugplätze verteilt werden. Das VBS forderte die Bevölkerung und die Kantone vor Kurzem auf, zu den geplanten Änderungen Stellung zu nehmen.

Lärmbelästigung darf nicht zunehmen

Das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement des Kantons Luzern reichte im Januar eine schriftliche Stellungnahme zum Programmteil des Sachplans Militär 2017 ein. Darin wurde kritisiert, dass im SPM die Auswirkungen der Schliessung von Sion auf den Flugplatz Emmen nicht einmal ansatzweise angesprochen würden. Dies, obwohl sowohl der Kanton Luzern als auch umliegende Gemeinden wie Kriens und Buchrain bereits 2014 Transparenz, beziehungsweise präzise und verbindliche Angaben zur geplanten Anzahl der Flugbewegungen sämtlicher Flugzeugtypen gefordert hatte. Schon damals wurde verlangt, dass die Lärmbelastung des Flugplatzes Emmen durch das neue Stationierungskonzept auf keinen Fall ansteigen dürfe. Falls Emmen zukünftig von Flugzeugtypen mit höherer Lärmemission genutzt würde, müsse im Gegenzug die Anzahl Flugbewegungen reduziert werden. Auch die Missstimmung in der Bevölkerung wurde angesprochen. Konkret hiess im Schreiben an das VBS: «Da eine Mehrbelastung durch lärmintensivere Flugzeuge von der Bevölkerung bereits heute kritisiert und abgelehnt wird, ist absehbar, dass die Akzeptanz der Öffentlichkeit in einem hohen Masse schwinden würde, sollte die Gemeinde Emmen sowie umliegende Gemeinden und die Tourismusregion Luzern mit deutlich höheren Lärmbelastungen konfrontiert werden.»

Endlich konkrete Zahlen

Am 16. Februar lud die Luftwaffe nun sowohl das Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Luzern als auch die betroffenen Gemeinden zu einer Orientierungsveranstaltung ein. Insgesamt stehen den heimatlosen Maschinen in spe für ihre Flüge zukünftig die Militärflugplätze Meiringen, Payerne und Emmen zur Verfügung. Gemäss dem VBS werden in Payerne etwa 1900 Kampfjet-Bewegungen jährlich hinzukommen, in Emmen 1100 und in Meiringen 500. 2016 verzeichnete der Militärflugplatz Emmen 3944 militärische Jet-Flugbewegungen. Ab 2018 werden es maximal deren 5000 sein, wobei die zusätzlichen Flugbewegungen ausschliesslich auf Maschinen vom Typ F-5E Tiger II zurückzuführen sein werden. Die Luftwaffe bestätigte zudem, dass die Pilotenschule PC-21 schon ab 2017 mehrheitlich in Emmen geführt wird, was zu rund 1500 weiteren Flugbewegungen bei den Propellermaschinen führen wird. Insgesamt ist also mit einer deutlich wahrnehmbaren Erhöhung der Lärmbelastung zu rechnen. Die genauen Auswirkungen soll ein Lärmgutachten festhalten, welches die Luftwaffe noch 2017 erstellen wird.

Künftig werden in Emmen jährlich um die 1000 Tiger-F-5-Kampfjets mehr starten und landen. Bild www.vtg.admin.ch
Künftig werden in Emmen jährlich etwa 1100 Tiger-F-5-Kampfjets mehr starten und landen. Bild www.vtg.admin.ch

Bei Kanton und Gemeinden regt sich Widerstand

Nach Veröffentlichung der konkreten Zahlen nahm auch Paul Winiker, Luzerner Regierungsrat und Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartements, Stellung zur Nutzung des Flugplatzes Emmen. Er betonte, dass die Informationen nicht den Forderungen entsprechen würden, die gegenüber dem VBS festgehalten wurden. Dazu gehörte auch, dass bei einem Anstieg der Flugbewegungen zusätzliche Ausbildungs- und Arbeitsplätze geschaffen werden sollten. Dafür wird das JSD weiter einstehen. Nach Erstellung des Gutachtens über die Lärmbelastung soll das weitere Vorgehen mit den betroffenen Gemeinden besprochen werden. Positiv bewertete Winiker indes zum Beispiel, dass die vierwöchige Sommerpause ohne Jet-Flugbetrieb weiterhin aufrecht erhalten werden soll und dass es keine Nachtflüge geben wird. Auch von Seiten der Gemeinden werden kritische Stimmen laut. Die Gemeinde Inwil beispielsweise forderte bereits vergangenen Dezember von der Dienststelle Raum und Wirtschaft die Einhaltung bestimmter Rahmenbedingungen im Fall Flugplatz Emmen. Auch sie verlangte, dass die Lärmbelastung für die Bevölkerung nicht ansteigen dürfe. Aufgrund der vom VBS veröffentlichten Zahlen wird der Inwiler Gemeinderat nun voraussichtlich noch im Mai das direkte Gespräch mit dem Flugplatz-Kommandanten suchen. Anschliessend soll über das weitere Vorgehen entschieden werden.