Normalisierung lässt weiter auf sich warten

Jedes fünfte Zentralschweizer Unternehmen meldet eine weitere Verschlechterung der Unternehmenssituation. Als Kernprobleme stehen Absatzschwierigkeiten im Ausland und die stark steigenden Liquidationsengpässe im Fokus. In der kurz- bis mittelfristigen Perspektive ist mit einem Stellenabbau in vielen Unternehmen zu rechnen, denn die Normalisierung des Geschäftsbetriebes verzögert sich weiter.

Nachdem in der letzten Umfrage durchschnittlich 43 Prozent der Zentralschweizer Unternehmen eine Negativentwicklung gemeldet haben, liegt der Wert per September 2020 bei 21 Prozent. „Die Situation bleibt jedoch nicht nur für die Tourismus-, Gastro- und Eventbranche, sondern auch für die exportorientierten Branchen angespannt.“, sagt IHZ-Direktor Adrian Derungs. Die Absatzschwierigkeiten im Ausland bleiben für diese wie bereits in den vorangehenden Umfragen ein Kernproblem. 81 Prozent melden diesbezügliche Schwierigkeiten, was einem 3 Prozent höheren Wert als in der letzten Umfrage entspricht. Besonders auffallend ist der Anstieg der Liquiditätsprobleme. Die Anzahl Exportunternehmen, welche aktuell eine kritische Liquiditätssituation aufweisen hat sich von 11 Prozent auf 24 Prozent mehr als verdoppelt.

Liquidität als zunehmendes Kernproblem

Wirft man einen Blick in die nahe Zukunft, sind drei Hauptproblemfelder zu erkennen. Erstens spitzt sich die Liquiditätssituation weiter zu. Sind es heute im Durchschnitt 12 Prozent aller der Unternehmen welche Probleme melden, darf man davon ausgehen, dass in zwei Monaten rund jedes vierte Unternehmen Liquiditätsengpässe ausweisen wird. Zweitens melden 47 Prozent der Unternehmen, dass sie in zwei Monaten von einem zu hohen Personalbestand ausgehen. 18 Prozent erwarten einen Stellenabbau. Drittens sind die Absatzschwierigkeiten im Ausland für Unternehmen der Exportbranche weiterhin markant. 81 Prozent vermelden zurzeit Absatzprobleme im Ausland, 76 Prozent erwarten auch bis in zwei Monaten grosse Herausforderungen.

Auch ein zu hoher Personalbestand ist eine oft genannte Herausforderung. Im Durchschnitt rechnen 33 Prozent damit, dass jene Arbeitnehmenden welche aktuell in Kurzarbeit sind, bis Ende 2020 wieder ordentlich beschäftigt werden können. In der Exportbranche sind es 38 Prozent. Für das Ende des Jahres 2021 gehen in der Zentralschweiz im Durchschnitt 35 Prozent der befragten Unternehmen davon ausgehen, dass lediglich 50 Prozent oder weniger der Mitarbeiter in Kurzarbeit wieder ordentlich angestellt sein werden. Entlassungen sind wahrscheinlich.

Normalisierung verzögert sich weiter

Mitte April 2020 ist man von einer Erholungsphase von sieben Monaten ausgegangen, d.h. von einer weitestgehenden Normalisierung des Geschäftsbetriebes per November 2020. „Diese Zeitspannte hat sich seither kontinuierlich verlängert. Vieles hängt von den Entwicklungen in den kommenden Wochen und Monaten ab.“, so Adrian Derungs. Die Unternehmen äussern aber vermehrt Skepsis, dies zeigt die sich stetig verlängernde Normalisierungsphase der Geschäftstätigkeit. Aktuell erwarten die Zentralschweizer Unternehmerinnen und Unternehmer im Durchschnitt keine Normalisierung vor November 2021 (14 Monate). Für 63 Prozent aller befragten Unternehmen unserer Region hat der
Geschäftsbetrieb aktuell noch nicht zur gewohnten Normalität zurückgefunden.


Details zur Umfrage:
Die Umfrage wurde von economiesuisse und dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) vom 17. bis 23. September 2020 durchgeführt. Sie umfasste u.a. die gleichen Fragen wie die Umfrage, deren Resultate economiesuisse zuvor am 26. März 2020 (1. Umfrage), am 17. April 2020 (2. Umfrage) am 12. Mai 2020 (3. Umfrage) und am 9. Juni 2020 (4. Umfrage) präsentiert hatte. Fragen bezüglich Beurteilung der Massnahmen des Bundesrates und zu den positiven Effekten aus der Krise wurden eingestellt. Hingegen ergänzte man die Umfrage mit Fragen zur erwarteten Entwicklung der Kurzarbeit.

Die IHZ hatte am 20. April 2020 die Umfrageresultate der 2. Umfrage mit Blick auf die
Zentralschweizer Unternehmen ausgewertet und kommuniziert. Der Zentralschweizer Report umfasst damals 60 Datensätze. In der Umfrage vom 12. Mai 2020 haben bereits 123 Unternehmen die Umfrage ausgefüllt, bei den zwei jüngsten Umfragen haben rund 100 Unternehmen mitgemacht. Die Auswertung zeigt ein aktuelles Stimmungsbild der Schweizer Wirtschaft und gibt Aufschlüsse über die veränderte Wahrnehmung im Vergleich zu den vorherigen Umfragen. Werden Prozentangaben genannt, sind diese lediglich als grobe Richtschnur zu verstehen. Die Antworten wurden jeweils nicht gewichtet. Die Umfrage ist nicht repräsentativ für die Gesamtgesellschaft, sondern wiederspiegelt die Haltung der IHZ-Mitglieder der Zentralschweiz.

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