Der Mensch ist gerne lustig und lustige Menschen sind beliebt. Auch Schimpansen lachen gerne und viel, wir aber haben daraus eine «Lachkultur» gemacht und dies auch eben zur fasnächtlichen Zeit der Narren, die möglichst viel zu lachen geben (sollten).

er. Lustig ist gut, und lachen ist gesund. Schimpansen lachen – es ist zwar eher ein «rückwärts hecheln» – wenn sie sich balgen, kitzeln und jagen. Schimpansen können auch «blödeln» und zum Beispiel eine Zahnbürste als Haarbürste gebrauchen. Damit bringen sie keinen Artgenossen zum lachen, uns Menschen aber schon. Das sind erste Hinweise auf den evolutionären Ursprung dieser emotionalen und humoristischen Gebärdensprache, die auch schon die kleinsten Menschenkinder in gute Laune versetzt, die bereits vier Monate nach der Geburt zu lachen beginnen – und bei Fasnächtlern offenbar lebenslänglich wirkt. Aus der Lust – oder manchmal Frust – wurde schliesslich das Lustige, der Humor und Witz und die lustige und die tragische Komödie, aber – leider – auch das reine «Gaudi».Was lustig ist, ist von Mensch zu Mensch und von Kultur zu Kultur verschieden – eben in den Lachkulturen. Kurz: Wir lachen über Dinge, die uns zum Lachen bringen. Und manchmal sogar über uns selbst.
Nachdem die über zweitausendjährige Geschichte des Philosophierens über Humor und Lachen im «wissenschaftlichen Geburtskanal» stecken blieb, begannen Neurowissenschafter wie Robert Provine sich des alltäglichen Phänomens anzunehmen, in einer Untersuchung bei Menschen, die in der Öffentlichkeit zu lachen anfingen – mit erstaunlichen Erfahrungen. So etwa: Nur 10 bis 20 Prozent aller beobachteten Lachvorkommen waren die Folge eines im engeren Sinn witzigen Ereignisses, und Sprecher und Sprecherinnen lachten selbst anderthalbmal so oft wie ihr Publikum – meist noch vor diesem und vor einer «Pointe». Es wurde dreissigmal so häufig in Gesellschaft anderer Leute gelacht wie allein. Frauen lachen mehr als Männer und sie lieben humorvolle «Typen». Dazu passt, dass am Telefon besonders viel gelacht wird. Männer machen die Lacher und Frauen geben den Ton an. Die «Klassenclowns» sind ja meistens männlich. Sie wollen doch bei der Weiblichkeit punkten und das wird schon von Geburt auf eingeübt – spätestens bis zur Fasnacht. Gemäss der Provine-Studie kommt in Kontaktanzeigen von Frauen das Männerprofil «mit Sinn für Humor» sehr oft vor. Denn wo Frauen herzhaft lachen, besteht meist eine glückliche Beziehung. Die meisten Menschen wissen im Nachhinein kaum noch, warum sie eigentlich gelacht haben. Sie wurden irgendwie «angesteckt». So vermutet man nun einen neurologischen Schaltkreis von Lachrezeptoren im menschlichen Gehirn, die automatisch auf Lachen reagieren – ähnlich wie beim Gähnen. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass Lachen ansteckend ist, was ja schon die Schimpansen wussten und ein guter Conferencier ebenso zu nutzen weiss wie die modernen TV-Unterhalter mit dem künstlichen Hintergrundgelächter. Seit dem 9. September 1950 hat dieses Hintergrundlachen die meisten amerikanischen Fernsehkomödien begleitet. An jenem Abend wurde in «The Hank McCune Show» zum ersten Mal eine Lachspur verwendet, um mangels Publikum die Zuschauer anzustecken und zum Lachen zu bringen. Der Rest ist bekannt.
Eigentlich ist das alles auch in unserem uralten Brauchtum zu finden. Könige, Kaiser und andere Herrscher hielten sich zur Unterhaltung ihre Hofnarren. Für ihre humoristischen und auch satirischen Einlagen erhielten sie die sogenannte «Narrenfreiheit». Und genau diese lebt in unsern Tagen ganz besonders auch zur Fasnachtszeit wieder auf – in lauten und leisen Variationen. Aus den Bänkelsängern sind «Schnitzelbänkler» und intrigierende und maskierte Narren geworden – die zur «Erhaltung der Biodiversität» eigentlich geschützt werden sollten. Manchmal könnte man ja meinen, die mittelalterlichen Gelage vor dem Fasten und die Schlachtenfeierumzüge seien sich als Urgründe zur Fasnacht begegnet. Nebst dem neuzeitlichen «Rambazamba» und grenzenloses «Gaudi» sorgen echte Fasnächtler für eine fröhliche, geistreiche und witzige Fasnachtszeit mit guter Lachkultur.
Apropos Kultur: Wir leben ja weder am Rhein noch in Rio oder Venedig. Wir haben eben eine eigene Luzerner Fasnachtskultur. Um da zum «Weltkulturerbe» aufzusteigen, müsste aber die Lachkultur noch mehr entwickelt werden, frei nach dem Motto: «Nimm dich nicht zu ernst – andere tun es auch nicht!»