Die Organisation Wald Seetal Habsburg ist gut aufgestellt. Sorge bereiten aber der angeschlagene Wald und der kaum mehr aufnahmefähige Holzmarkt, wie an der Generalversammlung zum Ausdruck kam.

Die regionale Organisation der Waldeigentümer, Wald Seetal Habsburg WSH, ist im vergangenen Jahr weiter stark gewachsen. Inzwischen sind über 1300 Mitglieder dabei, mit einer Waldfläche von über 3100 Hektaren. Der Perimeter reicht von Meggen bis Beromünster. Das starke Wachstum ist allerdings auch durch die Integration der ehemaligen Regionalorganisation Wald Erlosen Lindenberg letztes Jahr begründet.

Viele Zwangsnutzungen

WSH bietet seit anfangs 2019 die flächige Betreuung an, das heisst berät auch Nichtmitglieder, welche Wald besitzen, bei der Waldpflege und Holznutzung. Noch nie in der 17 jährigen Geschichte wurde von der Organisation so viel Holz vermittelt wie letztes Jahr, wie Geschäftsführer Christian Siegrist an der Generalversammlung in Hohenrain am 16. April berichtete. Nämlich 37000 m3 Rundholz, Industrie- und Energieholz, davon waren allerdings fast 24000 m3 Zwangsnutzungen. So wegen den letztjährigen Winterstürmen wie Burglind, und den Folgen der Trockenheit mit vielem Borkenkäferholz.  «Die Schäden wurden um Faktoren unterschätzt.»

Inzwischen sei ein Grossteil dieses Holzes aufgerüstet, aber noch nicht alles abgeführt, weil der Holzmarkt überlastet und die Aufnahmekapazität der Sägereien beschränkt sei, wie Siegrist erklärte. Zahlreiche Sturmflächen wurden wiederbepflanzt, so auch mit seltenen und widerstandsfähigen Baumarten. Die Nachfrage dafür sei seitens der Waldeigentümer gross, das Pflanzgut europaweit aber knapp.

Immer mehr dürre Bäume

Der Wald sei nicht nur wegen den Winterstürmen und der letztjährigen Trockenheit geschwächt, erklärte Betriebsförster Lukas Gerig. So wird dieses Jahr mit einer Massenvermehrung der Borkenkäfer gerechnet und wieder vielen Zwangsnutzungen. Allerdings sollte wenn überhaupt nur mehr frisch befallenes Käferholz gefällt werden, der Markt könne die erwarteten Mengen gar nicht aufnehmen. «Wir müssen uns damit abfinden, dass künftig viel mehr dürre Bäume in den Wäldern stehen bleiben.» Das habe aber auch Konsequenzen für die Sicherheit und Waldbegehung durch die Bevölkerung, meinte Gerig.

Viele Baumarten bedroht

Überhaupt würden sich die Waldbestände künftig verändern. Die Esche werde wegen der
Eschentriebwelke wohl verschwinden. Der Fichtenanteil werde klimabedingt im Mittelland
zurückgehen, und es sei auch feststellbar, dass die Buchen wegen der inzwischen mehrjährigen Trockenheit stark angeschlagen seien. «Fast sämtliche Hauptbaumarten in unserer Region sind bedroht», meinte Gerig. Es sei deshalb wichtig, auf widerstandsfähigere Sorten zu setzen. Bei Nadelholz könnten Douglasien eine Alternative zur Fichte sein, weil diese trockenheitsresistenter sei.

In der Diskussion wurde auch auf die Problematik der zunehmenden Neophyten im Wald
aufmerksam gemacht. So sind immer mehr Waldstücke von Kirschlorbeer dominiert. «Der Verkauf dieser Pflanze für Gärten sollte endlich verboten werden», wurde gefordert, was auch die Forstbehörden begrüssen würden.

Schweizer Holz nachfragen

Valentin Stäheli von Schilliger Holz AG, dem wichtigsten Abnehmer in der Region, wies ebenfalls auf den überlasteten Holzmarkt hin, und zwar europaweit. «Und wir rechnen dieses Jahr mit grossen bis riesengrossen Käferholzmengen.» Schilliger sei bereit, im Rahmen der Möglichkeiten noch mehr Holz zu übernehmen, auch dank einem neuen Plattenwerk in Haltikon. Aber wichtig sei, dass auch die Nachfrage gesteigert werden könne, so bei Energieholz oder Bauholz, und zwar Schweizer Holz.

Josef Scherer

 

Christian Siegrist, (l.) bespricht mit Ruedi Gerber, Präsident Wald Luzern, die Situation wegen dem vielen Schadholz im Wald.