Fehlsichtigkeit korrigieren: Innovative Methoden und Konzepte

Bild: Fotolia, © rotschwarzdesign
Bild: Fotolia, © rotschwarzdesign

Für Kurz- oder Weitsichtigkeit gibt es verschiedene Ursachen. Einerseits kann eine Fehlsichtigkeit angeboren sein, oder die Leistungsfähigkeit des Auges nimmt im Laufe der Lebenszeit durch verschiedene Einflüsse oder „Altersschwäche“ ab. Zur üblichen Brill­e oder den Kontaktlinsen gibt es heute immer wieder neue Behandlungsmethoden um uns wieder scharf sehen zu lassen.

Autor: Johanna Dresner

Wenn die Eltern bereits eine Kurz- oder Weitsichtigkeit aufweisen ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies bei den Kindern ebenfalls früher oder später auftaucht um einiges grösser. Durch entsprechend geschliffene Linsen in einer Brille oder in Form von Kontaktlinsen ist es relativ einfach, die Fehlsichtigkeit dann auszugleichen. Dazu gibt es inzwischen jedoch verschiedene innovative Alternativen.

Fehlsichtigkeit und ihre Ursachen

Für viele mag es überraschend klingen, dass Kinder im Alter von etwa einem Jahr eine um rund 20 Prozent schlechtere Sehschärfe verfügen als Erwachsene. Dies ist allerdings völlig normal. Die Augenmuskulatur muss sich erst noch besser ausbilden, um die Linse ständig an die unterschiedlichen Entfernungen anpassen zu können. Vor allem Kurzsichtigkeit ist bei Kindern am Anfang noch weit verbreitet. Wird das Auge ausreichend gefordert, beispielsweise beim Spielen im Freien, wird es sich nach und nach gut weiterentwickeln.

In den ersten Jahren ist es besonders wichtig, die Kinder genau zu beobachten, um mögliche Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen. Etwa bis zur Einschulung bestehen noch gute Möglichkeiten, durch gezielte Massnahmen das spätere Tragen einer Brille verhindern zu können.

Weitsichtigkeit hingegen ist bei Kindern meist angeboren. Dann liegen meist anatomischen Ursachen wie ein zu kurzer Augapfel oder eine zu geringe Brechkraft der Linse vor. Bei der sogenannten Altersweitsichtigkeit ist eine Ermüdung der Muskeln meist der Grund für die „Übersichtigkeit“. Der Körper versucht lange Zeit, die Fehlsichtigkeit durch erhöhten Muskeleinsatz auszugleichen. Die Folge sind dann häufig Kopfschmerzen. Mit zunehmendem Alter gelingt dies jedoch immer schlechter und das Scharfstellen auf weiter entfernte Objekte funktioniert nicht mehr so gut. Eine Lesebrille kann dann Abhilfe schaffen.  

Höheres Risiko heute

Die veränderten Lebensgewohnheiten stehen heute im Verdacht, sich negativ auf unser Sehvermögen auszuwirken. Viel mehr als früher haben wir inzwischen täglich unsere Augen auf Fernsehbildschirme, Smartphones oder das Tablet gerichtet. Trockenheit oder Entzündungen der Augenschleimhaut sind häufig die Folge.

Die Auswirkungen des erhöhten Medienkonsums wurden jüngst in einer Studie an der deutschen Universitätsklinik in Mainz untersucht. Dabei zeigte sich, dass Umwelteinflüsse, wie das lange Blicken auf Computer- und Smartphone-Bildschirme zu einer Zunahme der Kurzsichtigkeit in der Bevölkerung beitragen kann. Allerdings gibt es heute auch innovative Methoden, eine Fehlsichtigkeit zu korrigieren.

Der erhöhte Medienkonsum steht in Verdacht Fehlsichtigkeit zu begünstigen. Bild: Fotolia, © Robert Kneschke
Der erhöhte Medienkonsum steht in Verdacht Fehlsichtigkeit zu begünstigen.
Bild: Fotolia, © Robert Kneschke

Implantierbare Minikontaktlinsen

Spezielle, besonders dünne und flexible Kontaktlinsen wurden entwickelt, um dauerhaft getragen werden zu können. Ein ständiges Wechseln wird dadurch unnötig. Sollte sich die Sehkraft mit der Zeit verändern, ist es jedoch möglich, die Linsen durch neue auszutauschen. Die hauchdünnen Linsen sind von aussen nicht sichtbar, denn sie wird hinter der Pupille platziert. Da sie aus biologischem Kollagen bestehen sind sie zudem gut verträglich

Die Speziallinsen eignen sich für Fehlsichtigkeit im Bereich von etwa -18 bis +10 Dioptrien. Auch bei Hornhautverkrümmungen können sie eingesetzt werden. Sie können in bestimmten Fällen eine Alternative zu einer Laserbehandlung darstellen.

Dauerhafte Korrektur durch Nachtlinsen

Zur Behandlung einer Kurzsichtigkeit sind seit einiger Zeit sogenannte Nachtlinsen auf dem Markt erhältlich. Sie sollen praktisch im Schlaf die Augen korrigieren. Tagsüber sind dann weder Linsen noch Brille notwendig. Allerdings eignet sich diese Methode nur für eine schwache Kurzsichtigkeit bis etwa ‑6 Dioptrien. Auch eine Hornhautverkrümmung können die Nachtlinsen nicht ausgleichen. Insgesamt müssen dabei verschiedene Punkte beachtet werden:

  • Es entstehen hohe Kosten durch eine genaue Anpassung der Linsen. In der ersten Zeit sind dafür einige Besuche beim Augenarzt notwendig.
  • Bei regelmässigem Tragen der Linsen in der Nacht hält die korrigierende Wirkung etwa 16 Stunden an.
  • Auch wenn die Linsen nur nachts getragen werden, können Komplikationen wie Augentrockenheit oder Entzündungen auftreten.

Minimaleingriffe mit Laser

Laserbehandlungen werden bereits seit geraumer Zeit zur dauerhaften Korrektur einer Fehlsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung eingesetzt. Viele scheuen sich jedoch vor diesem operativen Eingriff. Doch auch hier entwickelt sich die Forschung und Technik stetig weiter. „ReLEx smile“ heisst eine neue, minimalinvasive Lasertechnik, die heute von verschiedenen Spezialkliniken angeboten wird.

War bisher ein relativ grosser Schnitt von bis zu 20 Millimetern notwendig, kann dies bei der innovativen Methode dank modernster Präzisionslaser auf einen Bruchteil minimiert werden. Dadurch kann sich das Auge auch wesentlich schneller erholen und Nebenwirkungen treten kaum noch auf.

Bei modernen Laserbehandlungen kann der chirurgische Eingriff auf ein Minimum reduziert werden. Bild: Fotolia, © lassedesignen
Bei modernen Laserbehandlungen kann der chirurgische Eingriff auf ein Minimum reduziert werden.
Bild: Fotolia, © lassedesignen

Sehschwächenkorrektur per Augmented Reality Brille

Einen ganz anderen Ansatz verfolgten Entwickler des japanischen Elektronikkonzerns Fujitsu zusammen mit dem Halbleitertechnologieunternehmen QDLaser. Sie haben eine Sehhilfe erdacht, die mit Hilfe einer Laserprojektion das zuvor aufgenommene Bild der Umgebung direkt auf die Netzhaut wirft. Dabei kann die individuelle Sehstärke mitberücksichtigt werden.

Das Konzept befindet sich derzeit noch im Prototypenstadium. Bislang kann damit Kurz- und Weitsichtigkeit ausgeglichen werden. Zusätzlich zu der relativ kompakten Brille ist es noch notwendig, eine kleine Box mit der benötigten Elektronik mit sich zu führen. Neben der Korrektur der Sehkraft könnten mit der Brille auch beispielsweise digitale Inhalte direkt aus dem Internet auf das Auge projiziert werden. Der Blick aufs Smartphone wäre dann nicht mehr notwendig.

Werbung