Das Projekt Weichle sorgte für Aufsehen in der Gemeinde und beschäftigte sowohl den Gemeinderat und das Projektteam als auch die Ebikoner Stimmbevölkerung.

So ambitioniert die Pläne des Projektteams für die Bebauung mit Wohnungen, Dienstleistungs- und Gewerbefläche, so eindeutig die Ablehnung der Stimmbevölkerung im Februar mit 58.7% Nein-Stimmen.

Nach dem Ergebnis herrschte Unklarheit beim verantwortlichen Projektteam. Was waren die Gründe für die Ablehnung? Welche Gründe bewogen die Bevölkerung im Einzelnen, sich gegen das Projekt zu entscheiden?

Um diese Fragen beantworten und die nächsten Schritte planen zu können, führte der Gemeinderat im Frühjahr eine breit angelegte Bevölkerungsanfrage durch und hinterfragte im Detail die Motivation und Beweggründe der rund 8900 Stimmberechtigten, mit einem Rücklauf von 13%.

Junge Generationen gering vertreten

Eine der auffälligen Eckdaten bei der Abstimmung Weichle war die Altersstruktur der Teilnehmenden, die mit einem Anteil von 51% einen überproportional hohen Anteil der 60+ Generation aufwies. Bei der daraufhin durchgeführten Bevölkerungsumfrage beteiligten sich dann 82% der Einwohner, die auch bereits an der Abstimmung teilnahmen. Allgemein nahmen an der Befragung eher politisch interessierte Personen teil.

Grundsätzliche Zufriedenheit in Gemeindefragen

Die Umfrage begann mit Fragen zur Gemeinde Ebikon allgemein. Sicherlich positiv zu bewerten ist hier die Tatsache, dass ein Grossteil der Befragten Ebikon als attraktiven Wohnort empfindet. Die Fragen nach der Zufriedenheit mit dem Gemeinderat, dem Mitbestimmungsrecht und der politischen Kultur in der Gemeinde polarisierten dann schon mehr, waren aber ebenso in der Tendenz positiv. Kritischer wurden die Dialoge über die Kommissionen, sowie die Bürgernähe und vorrausschauende Planung des Gemeinderates bewertet. Bei den städtebaulichen Themen erhielten die Punkte, Gewerbeflächen zu erhalten und keine weiteren Grünflächen einzuzonen am meisten Zustimmung. Im Hinblick auf die gewünschte politische Führungsstruktur verzeichnete der Einwohnerrat im Total die meisten Stimmen.

Dieses Ergebnis wurde jedoch stark vom Anteil der über 60-Jährigen geprägt, wohingegen bei den unter 40-Jährigen das Kommissions-modell eindeutig der Favorit war.

Projektkonzeption nicht überzeugend

Bezugnehmend auf das Gebiet Weichle stört es mehr als 70% der Befragten, dass es den M-Park nicht mehr gibt. Zu den konkreten Begründungen der Nein-Stimmen zählten vor allem, dass es im Moment keine weiteren Grossprojekte in der Gemeinde Ebikon braucht, dass bereits zuviel gebaut wird und die Verdichtung sowie das Projekt an sich zu gross sei. Zudem sind die teilnehmenden Einwohner der Meinung, dass das Konzept zu viele Wohnungen beinhaltet, wo es doch bereits eine hohe Anzahl leerstehender Wohnungen in Ebikon gibt. Auch die Höhe und Lage des im Konzept enthaltenen Hochhauses war ein Negativpunkt.

Justierungsbedarf und Gespräche am Runden Tisch

Trotz Negativbescheid ist das Projektteam dankbar für den Einblick in die öffentliche Meinung zur Gemeinde allgemein und zum Projekt konkret. Was bleibt ist Justierungsbedarf sowohl im Masterplan als auch im Bau- und Zonenreglement der Gemeinde Ebikon. Dieser wird nun im September geprüft, damit im Oktober durch die politischen Anspruchsgruppen am runden Tisch erste Stossrichtungen und Justierungen validiert werden können. Die Kommunikation des Projektes zur Bevölkerung wurde von einem Grossteil der Befragten als gut bewertet. Der stetige Austausch mit der Bevölkerung und eine umfassende und objektive Kommunikation sind für den Erfolg zukünftiger Projektplanungen sicherlich essentiell.

Franziska Gaitzsch

In Ebikon für Ebikoner. Das Projekt Sagenmatt

Nicht weit entfernt vom Gebiet Weichle und doch gänzlich unterschiedlich in der Konzeption präsentiert sich das Projekt «Sagenmatt» auf dem Gelände des ehemaligen AMAG Autozentrums an der Luzernerstrasse, dessen Bebauungsplan im 2020 zur Abstimmung steht.

Eigentumswohnungen für Ebikoner

Gekennzeichnet durch einen naturnahen Charakter soll hier ein neues Quartier mit rund 260 Wohnungen entstehen. Das Besondere daran ist, dass rund ein Drittel der Wohnungen als Wohneigentum angeboten wird und zwar bevorzugt an Personen, die schon länger in Ebikon wohnen und arbeiten. Ebikoner und in Ebikon tätige Personen erhalten also ganz klar den Vorrang. Nachdem ursprünglich nur Mietwohnungen geplant wurden, wurde der Entscheid, auf einen recht grossen Anteil Wohneigentum umzuschwenken, auf Anregungen der Bevölkerung hin gefällt. Darüber hinaus sollen die Wohnungen zu erschwinglichen
Preisen angeboten werden.

Naturnähe und Innovationen in Gestaltung und Lebensqualität

Ein renaturierter Bach durchquert das Quartier als arealübergreifender Naturerlebnisraum. In die Bachufer und das Bachbett werden grosse Natursteinblöcke eingelassen – zum Baden oder Sonne tanken. Entlang des Gewässers finden sich Spielnischen, die durch einen Fussweg auch für die Nachbarschaft zugänglich sind. Begrünte Dachgärten und ein Dachpool erhöhen die Lebensqualität. Ein völlig neuartiges Mobilitätskonzept, verknüpft mit dem öffentlichen Nahverkehr und Velo-Lösungen, wird den Bewohnern der Sagenmatt eine Vielfalt an Mobilitätslösungen zur Verfügung stellen, ohne unbedingt ein Auto besitzen zu müssen. Somit sollen deutlich weniger Parkplätze benötigt werden als in Projekten vergleichbarer Grösse und das Verkehrsaufkommen soll, trotz der hohen Anzahl neuer Wohnungen, dadurch und wegen des Wegfalls von AMAG, Tankstelle und Waschstrasse nicht ansteigen.

Franziska Gaitzsch