Gemeinderat erteilt Antennen-Petition eine Abfuhr

Besorgte Ebikonerinnen und Ebikoner haben im Mai eine Petition gegen den geplanten Standort einer Mobilfunkantenne bei der Lindenhof-Scheune eingereicht. Wir berichteten darüber in unserer Ausgabe vom 6. Juni. Am vergangenen Freitag hat nun der Gemeinderat Ebikon den Petitionären mitgeteilt, dass er ihr Begehren nach Abwägung der unterschiedlichen Interessen nicht erfüllen könne und dass er am vorgesehenen neuen Standort der Mobilfunkantenne bei der Lindenhof-Scheune festhalte. Die Petitionäre zeigen sich vom Entscheid des Gemeinderats enttäuscht.

gg. In seiner Antwort an die Petitionäre begründet der Gemeinderat Ebikon seinen Entscheid, am geplanten Antennenstandort festzuhalten, wie folgt: «Sie (die Petitionäre) kritisieren unter anderem, dass der Standortentscheid der Mobilfunkantenne dem Siedlungsleitbild Ebikon Q+ widerspreche. Der Gemeinderat hält fest, dass die Lindenhof-Scheune sich nicht in der Schutzzone des Naturschutzraums Rotsee befindet und somit keine Richtlinien des Siedlungsleitbilds verletzt.» Das Leitbild sehe allerdings zu Recht vor, dass generell eine sorgfältige Prüfung von entsprechenden Anliegen erfolgen soll, vor allem in der Nähe von sensiblen Landschaftsräumen. Es sei unbestritten, dass eine Mobilfunkantenne ins umliegende Gebiet ausstrahlen werde, so der Gemeinderat. Diese Ausstrahlung würde im vorliegenden Fall jedoch vorwiegend auf das Gebiet des Bahnhofs und der Bahnlinie erfolgen.

Direktbetroffene sind enttäuscht

Doch auch die über 130 Ebikoner, die im Frühjahr die Petition gegen eine Mobilfunkanlage am Rotsee unterschrieben haben, melden sich zu Wort. «Wir sind vom Gemeinderat sehr enttäuscht und sehen uns und unser Anliegen nicht ernst genommen», äussert sich Marc Pfister – er hat als betroffener Anwohner die Petition mit unterschrieben und gegen das Projekt eine Einsprache eingereicht. «Der Gemeinderat hätte rechtlich die Möglichkeit gehabt, dem berechtigten Wunsch vieler Ebikoner zu entsprechen und den Rotsee und seine Ausläufer vor weiteren Antennen zu schützen. Er hat damit eine grosse Chance verpasst.» Offenbar werte der Gemeinderat die kommerziellen Interessen der Mobilfunkanbieter höher und missachte dabei sein eigenes Siedlungsleitbild. «Der Gemeinderat bietet der Swisscom eine gemeindeeigene Liegenschaft ausserhalb der Bauzone an, erteilt für den Bau der Antenne eine Ausnahmebewilligung und bekommt auch noch Geld dafür!» Damit stelle er sich ganz klar gegen die Interessen der eigenen Bevölkerung, ist Pfister überzeugt. Auch habe der Gemeinderat zu keinem Zeitpunkt ein Gespräch mit den Quartiervereinen und den betroffenen Anwohnern geführt. Bernhard Kurmann, Präsident des Quartiervereins Sonnhalde-Halten, teilt die Enttäuschung von Marc Pfister: «Wir sind uns natürlich der Tatsache bewusst, dass heute jeder überall eine perfekte Mobilnetzanbindung verlangt, aber keiner die dazu nötigen Antennen will, schon gar nicht im eigenen Quartier. Aber in diesem Fall hätte es bessere Lösungen gegeben. Deshalb unterstützen wir auch weiterhin im Rahmen unserer Möglichkeiten die Petitionäre bzw. die Anwohner, die mit einer Einsprache gegen diesen – in unseren Augen ungeeigneten – Antennenstandort kämpfen.» Auf die Frage, welche Alternativen es denn gäbe, sagt Marc Pfister: «Es gibt bereits eine Antenne beim Bahnhof Ebikon und eine weitere am Ende des Rotsees. Mit einer entsprechenden technischen Aufrüstung – genauere Ausrichtung und höhere Leistung – liesse sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die jetzt bestehende, etwa einen Kilometer lange Lücke dazwischen schliessen, ohne dass man eine zusätzliche Antenne bauen muss.» Zudem diene der Ausbau fast ausschliesslich den Bahnreisenden der SBB und kaum den rund 300 Haushalten im Quartier. «Der Empfang entlang der Bahnlinie kann mit bestehenden Anlagen gezielt verbessert werden, ohne dass ein ganzes Quartier mit einer neuen, fast 10 000 Watt starken Antenne flächendeckend belastet wird. Ich verstehe einfach nicht, warum der Gemeinderat diese Option nie geprüft hat», so Pfister.

Umsichtige Prüfung durchgeführt

Der Gemeinderat hält dem entgegen, dass es wichtig sei, neue Standorte von Mobilfunkantennen sorgfältig zu evaluieren und festzulegen. Die Befürchtungen der Bevölkerung vor neuer und zusätzlicher Strahlung nehme er ernst. Im Gegenzug sei er aber verpflichtet, die rechtlichen Voraussetzungen bei einem Standortentscheid einzuhalten. Er komme deshalb zum Schluss, dass der Gemeinderat umsichtig und rechtskonform gehandelt und dabei die Anliegen des Siedlungsleitbilds Ebikon Q+ gebührend berücksichtigt habe. Zudem habe sich auch die Planungs-, Umwelt- und Energiekommission der Gemeinde Ebikon mit dem Anliegen der Petitionäre auseinandergesetzt. Sie unterstütze die Haltung und das Vorgehen des Gemeinderats. Darüber hinaus habe die kantonale Dienststelle Raumentwicklung, Wirtschaftsförderung und Geoinformation (rawi) im vorliegenden Fall den Standort für die Mobilfunkanlage bewilligt und die zu diesem Baugesuch eingegangenen Einsprachen abgewiesen. Diese begründet ihren Entscheid damit, dass der Gemeinderat Ebikon diverse weitere Standortevaluationen durchgeführt habe und der eingereichte Standort eine Versorgungslücke abdecke. Des Weiteren sei die Anlage bei der Scheune von Weitem kaum wahrnehmbar und gliedere sich optimal in die Landschaft ein.

Wie es nun weitergeht? Marc Pfister gibt sich kämpferisch: «Weitere Gespräche werden da kaum noch etwas bringen. Was uns bleibt, ist jetzt nur noch der Rechtsweg. Wir haben uns und der Gemeinde das eigentlich ersparen wollen. Aber wir sehen gute Chancen, vor Gericht Recht zu bekommen.»

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