Mit 58,7 Prozent Nein- zu 41,3 Prozent JA-Stimmen haben Ebikons Stimmbürger dem Bebauungsplan und der Teilzonenänderung Weichle eine Absage erteilt. Somit kann die Migros ihre geplante Überbauung mit gegen 340 Wohnungen auf dem brachliegenden MParc-Areal derzeit nicht realisieren. Es sind temporäre Vermietungen in die Wege geleitet worden.

«Kaum eine Vorlage hat Ebikons Stimmbürger je so beschäftigt wie die geplante Umzonung und diese Überbauung», sagte Gemeindepräsident Daniel Gasser bei der Bekanntgabe des Resultates. Wir versuchen genau zu analysieren, warum diese Ablehnung so deutlich ausfiel.» Und deutlich ist der Entscheid: Den 2207 Nein-Stimmen stehen 1553 Ja-Stimmen gegenüber, dies bei einer Stimmbeteiligung von 43,8 Prozent. Überrascht vom klaren Nein? «Nicht unbedingt, aber der Gemeinderat ist froh über den deutlichen Entscheid. Wir werden jetzt mit den Bauwilligen und den beiden Komitees zusammensitzen, mit dem Nein- und Ja-Lager, wollen wir die Situation analysieren», sagte Gasser. Und weiter: « Für uns war es sehr schwierig, abzuschätzen, wie das Ergebnis ausfallen wird.» Jetzt wollen die Verantwortlichen von der Bevölkerung wissen, was für ein Ebikon ihr vorschwebt, welchen Weg Ebikon mit welchen Projekten gehen soll, wie das Wachstum aussehen soll. «Für uns stellt sich die Frage, ob das Nein primär als Kritik zum seit Jahren gültigen Masterplan zu deuten ist, denn ausgerechnet beim ersten grösseren Projekt Weichle ist es am Plan gescheitert.» Die Niederlage sei auch als Antrieb zu verstehen, alle Planungsinstrumente zu hinterfragen und allenfalls anzupassen. Was sich niemand wünscht, dass das brachliegende MParc-Gebäude nicht vor sich hindöst, nicht verlottert. Dass aber bald neues Leben einziehen wird.

Das Nein-Komitee äusserte sich zufrieden. «Wegen fehlenden finanziellen Mitteln konnten wir keinen echten Abstimmungskampf führen. Doch wir gaben der Opposition ein Gesicht und sind jetzt natürlich hoch erfreut, dass das Resultat so klar zu unseren Gunsten ausgefallen ist. Nun ist die Umzonung fürs Erste vom Tisch.»

Dr. Franz Mattmann

Franz Mattmann.

 

Migros Chef Felix Meyer: «So wurde es schwierig» 

Klar, dass sich Felix Meyer als Migros-Chef und Walter Baumann, Leiter Bau und Immobilien der Genossenschaft Luzern, nach dem für sie negativem Entscheid enttäuscht zeigten. Meyer: «Bei unserer langjährig guten Zusammenarbeit mit den Gemeindeverantwortlichen sah es gut aus, doch beim Abstimmungskampf waren unverhofft so viele Emotionen in der Bevölkerung zu spüren, teils auch weit weg vom Thema. Das diente der Sache nicht, da musste es einfach schwierig werden.» Und er nannte Beispiele: Die Migros sei schuld am negativen Image der Mall of Switzerland, das Center habe der Bevölkerung von Ebikon ihren MParc weggenommen, es werde kein Hallenbad gebaut oder -was rechtlich ja gar nicht möglich ist- die Migros- Verantwortlichen hätten für die Wohnbauten bereits Investoren aus China oder dem arabischen Raum ins Boot geholt. «Bei solch unrichtigen Aussagen wird es schwierig, das haben wir jetzt gesehen», sagte Meyer. Ob Migros einen Plan B aus der Schublade ziehe? «Klar nein, wir haben uns auf dieses eine, sorgfältig aufgegleiste Projekt konzentriert und streben jetzt nach dem Nein eine Zwischennutzung des MParc-Areals an, alles andere ist derzeit reine Utopie.»

Enttäuschung beim Nein-Komitee.

«Sicher sind wir enttäuscht, bedauern und
akzeptieren aber diesen Volksentscheid. Ich hätte erwartet, dass das Resultat knapper
ausfallen würde. Weniger überrascht war ich hingegen über das Nein als solches. Jetzt
müssen wir zusammensitzen und eruieren, woran das Projekt gescheitert ist.»

FDP-Präsident René Friedrich

Réne Friedrich.

Es gelte nun, das Abstimmungsergebnis genau zu analysieren und zusammen mit der Bevölkerung in den nächsten Jahren ein neues Projekt zu entwickeln, das dann mehrheitsfähig sei. «Wir fangen nach umfangreichen Analysen praktisch wieder bei Null an, das neue Projekt muss positiv für Ebikons Zukunft stehen, dafür brauchen wir 
aber wieder mindestens fünf bis maximum zehn Jahre», betonte M-Bauchef Walter Baumann kurz nach Vorliegen des Abstimmungsresultates.

Rolf Willimann

Kein Abriss: Nach dem Nein bleibt das MParc-Gebäude in nächster Zeit so erhalten. Es ist eine Zwischennutzung für Mietinteressenten vorgesehen. Bilder rowi