Abstimmung: Sagenmatt polarisiert

Das Projekt Sagenmatt in Ebikon polarisiert vor der Abstimmung wie kein anderes Thema. Wir haben mit Gegnern und Befürwortern gesprochen.

Am 27. September stimmen die Ebikoner über das Projekt Sagenmatt ab. Projektierungsverfahren, Grösse des Vorhabens, Höhe der Gebäude und noch andere Aspekte des Bauprojektes geben in der Rontaler Gemeinde schon lange zu reden – Erinnerungen an Weichle werden wach. Wir haben im Vorfeld der Abstimmung mit Gegnern und Befürwortern gesprochen und mit ihnen die strittigen Punkte genauer thematisiert. 

Interviews und Text: Sara Häusermann

PRO Sagenmatt

Was ist aus Ihrer Sicht das grösste Argument für das Projekt Sagenmatt?

Silvia Illi: Ebikon erhält anstelle der heutigen Gewerbebrache ein qualitätsvolles
Wohnquartier, das hohen Wohnkomfort zu erschwinglichen Preisen bietet. Weitere
Merkmale der Sagenmatt sind der sehr schön gestaltete Aussenraum und ein einzigartiges,
innovatives Mobilitätskonzept. Die Sagenmatt ist ein sinnvoller Beitrag an die gesunde, qualitätsvolle Entwicklung der Gemeinde. Durch die Bevorzugung Ortsansässiger bei der Vergabe der Wohnungen beugt die Sagenmatt der Abwanderung von jungen Familien und guten Steuerzahlern vor. Der Lebensraum Ebikon gewinnt längerfristig an Qualität.

Wie treten Sie dem Argument des Wohnungsleerstands entgegen?

Valentin Müller: Das überaus hohe Interesse an den geplanten Eigentums- und
Mietwohnungen belegt, dass das spezifische Angebot des Projekts einem aktuellen Bedürfnis entspricht. Auch im Hinblick auf die verstärkten Anstrengungen zur Ansiedlung von Unternehmen ist es richtig und wichtig, für ein zeitgemässes Wohnungsangebot zu sorgen.

Wieso ist das Projekt Sagenmatt aus Ihrer Sicht nicht „zu gross“ für die Gemeinde Ebikon?

Silvia Illi: Die wenigen noch verfügbaren Landreserven für die Entwicklung der Gemeinde
müssen architektonisch ansprechend und mit einer angemessenen Dichte genutzt werden.
Die Höhe der Gebäude orientiert sich mit 5 und 8 Geschossen konsequent an den Häusern
der Nachbarschaft. Die geschickte Anordnung der Häuserzeilen schafft Platz für ansprechende Aussenräume, von denen nicht nur die Bewohner der Sagenmatt, sondern
auch ihre Nachbarn profitieren.

Die Gegner des Projektes erwähnen vermehrt, dass die „Sagenmatt“ eine Sonderbehandlung geniesst. Können Sie das nachvollziehen?

Valentin Müller: Nein, diesen Vorwurf können wir absolut nicht nachvollziehen. Der
Bebauungsplan Sagenmatt wurde in einem jahrelangen Arbeitsprozess erarbeitet, in dem
sowohl die Gemeinde als auch der Kanton ihre Forderungen sowie die Interessen der
Bevölkerung einbrachten und strikte die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen
durchsetzen.

In einem kurzen Satz zusammengefasst: Weshalb soll Ebikon Ende September JA zum Sagenmatt- Projekt sagen?

Silvia Illi: Ebikon gewinnt mit der Sagenmatt an Qualität, einen Lebensraum, der sorgfältig auf die Bedürfnisse der Ebikonnerinen und Ebikoner abgestimmt wurde und sich massvoll in die bestehende bauliche Umgebung einpasst.


CONTRA Sagenmatt

Was ist aus Ihrer Sicht das grösste Argument gegen das Projekt Sagenmatt?

Jörg Condrau: Wenn eine Grossinvestorin gegenüber dem Rest der Ebikoner Bevölkerung beim Bauen bevorzugt wird, wenden wir zweierlei Recht an. Aber vor dem Gesetz sind alle gleich. Dieser Grundsatz wird bei einem JA nicht eingehalten. Wir wollen keine Rechtsungleichheit und sagen NEIN.

Auch wenn die Zahl nach unten korrigiert wurde: Wie sind die Wohnungsleerstände in Ebikon aus Ihrer Sicht einzuordnen?

Jörg Condrau: Schade, dass die Gemeindeverwaltung Ebikon diesen Bock geschossen hat. Nach wie vor aber gibt es rund 150 leere Wohnungen. An die 800 Wohnungen sind bezugsbereit, geplant oder werden gebaut. Diese Planung ist überdimensioniert. Bei den tiefen Hypozinsen wollen alle mit dem Bauen Geld verdienen. Ebikon sollte vermehrt auf Qualität setzen.

Sie stören sich auch an der Grösse des Projektes. Weshalb sollte Ebikon deswegen NEIN sagen am 27. September?

Jörg Condrau: Die Dimension des Projekts ist immens und entspricht weder dem Masterplan noch dem Entwurf des neuen Bau- und Zonenregelements (BZR). Immerhin kostete der Masterpaln die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen Fr. 200 000. Mit einem JA zur Sagenmatt ignorieren wir den Masterplan und schaffen Voraussetzungen, die im Nachhinein kaum mehr zu verändern sind.

Sie argumentieren, dass das Projekt bei der Gemeinde eine Sonderbehandlung
geniesst. Worauf stützt sich diese Aussage?

Jörg Condrau: Mit der Teilrevision des Zonenplanes und der Anpassung des aktuellen BZR dürfte einzig die Bauherrin der Sagenmatt ausserhalb des momentan geltenden Gesetzes bauen. Das ist ungerecht, weil viele Einwohnerinnen und Einwohner seit Jahren auf das neue BZR warten, damit auch sie verdichtet bauen können. Vor dem Recht sind in der Schweiz alle gleich. Das ist ein grober Verstoss gegenüber unserem Demokratieverständnis.

In einem kurzen Satz zusammengefasst: Weshalb soll Ebikon Ende September NEIN zum Sagenmatt-Projekt sagen?

Jörg Condrau: Es ist stossend, dass das aktuelle Bau- und Zonenreglement noch schnell abgeändert werden soll, bevor das neue BZR der Stimmbevölkerung vorgelegt wird. Und das nur für eine Bauherrin und nur auf ein einziges Areal bezogen. Diese Sonderbehandlung ist undemokratisch und ungerecht.

Jörg Condrau
CONTRA Sagenmatt

 

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