Rontalzentrum heiss umstritten

Am Dienstag, 10. Dezember 2019 sind an der Dieriker Gemeindeversammlung nebst der Beschlussfassung über das Budget 2020 mit dem Steuerfuss von 1.75 Einheiten auch die Beschlussfassung über den Bebauungsplan Rontalzentrum sowie die Teiländerung des Bau-und Zonenreglements und der Teilzonenplanänderung Neuhaus traktandiert.

Während die drei einleitenden Traktanden der Gemeindeversammlung mit der Kenntnisnahme der Gemeindestrategie, der Beschlussfassung über das Budget 2020 und der Beschlussfassung über Einbürgerungsgesuche noch kaum Reaktionen ausgelöst haben, hat das Traktandum 4 mit der Beschlussfassung über den Bebauungsplan Rontalzentrum schon zu engagierten Diskussionen und zu ablehnenden Leserbriefen geführt. Für die Befürworter ist es ein zukunftsgerichtetes Projekt, das der Gemeinde Dierikon eine nachhaltige Entwicklung mit einem grossen Mehrwert bringt, für die Gegner ein Monster-Bauvorhaben, das alle Dimensionen sprengt und die Gemeinde überfordert.

Der «Rontaler» will in einer Gesamtschau Befürwortern und Gegnern Gelegenheit geben,
ihre Sicht der Dinge darzulegen und mit Überlegungen und Begründungen zur
Meinungsbildung beizutragen. Vorerst aber noch einige Fakten zum Rontalzentrum aus der
Botschaft zur Gemeindeversammlung.

Mitwirkung, öffentliche Auflage und Einsprachen

Die betroffenen Grundeigentümerschaften sind regelmässig informiert und in den Prozess
einbezogen worden. Im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens wurde im März 2017 eine
Informationsveranstaltung durchgeführt. Die Bevölkerung konnte sich an diesem Verfahren
mitbeteiligen. Am 23. Januar 2019 wurde eine weitere Informationsveranstaltung auf dem
ehemaligen Rockwell-Areal durchgeführt. Vom 21. Januar bis 20. Februar 2019 erfolgte die
öffentliche Auflage. Innerhalb dieser Fristen sind vier Mitwirkungseingaben und vier
Einsprachen eingegangen. Zwei Einsprachen gegen den Bebauungsplan konnten durch den
Gemeinderat gütlich erledigt werden. Die Einsprachen der Gemeinde Buchrain und von Karl
Mattmann, Dierikon, konnten trotz Gesprächen nicht gütlich erledigt werden. Der
Gemeinderat beantragt, die Einsprachen mit den Anträgen abzuweisen.

Befürwortende Stimmen

Es versteht sich, dass der Gemeinderat in Vertretung der Gemeinde zu Wort kommt und
seine Sicht zum vorliegenden Bebauungsplan Rontalzentrum in Form eines sachlich-positiven Interviews darstellen kann. Der Gemeinderat hat sich in den letzten vier Jahren sehr intensiv mit dem Projekt Rontalzentrum auseinandergesetzt und viele Aspekte dieses
anspruchsvollen Vorhabens einer eingehenden Abklärung und Verifizierung unterzogen. Er
ist überzeugt, dass sich das geplante Rontalzentrum mit seiner gemischten Baustruktur in die grossmassstäbliche Struktur der Industrie- und Gewerbebauten im Talboden des Rontales sehr gut einfügt.

Standpunkte des Gemeinderates

In einem Interview vertritt Gemeindepräsident Max Hess die Überlegungen und Standpunkte des Gemeinderates zum geplanten Rontalzentrum in Dierikon:

Welches sind die wesentlichen Chancen des Projekts Rontalzentrum aus Sicht des Gemeinderates?

M. Hess: Das Vorhaben bringt für die Gemeinde Dierikon einen bedeutenden Mehrwert.
Durch die vorgesehene gemischte Nutzung – Arbeiten und Wohnen – generiert das Projekt Raum und Platz für beide Bereiche. Der Sockel der geplanten Überbauung umfasst eine Fläche von 20‘000 m² für Gewerbe- und Dienstleistungsangebote. Das ist eine stolze Fläche. Und zusätzlich sind in vier Wohntürmen rund 350 Wohnungen angedacht.

  • Eine weitere Chance, ein weiteres wichtiges Ziel ist es, dass sich das Steuersubstrat der Gemeinde positiv entwickelt. Dazu gehört es, nicht nur Steuergelder von bestehenden
    Industrie- und Gewerbebetrieben anzuziehen und zu berücksichtigen, sondern auch das
    Anziehen von zusätzlichem Steuersubstrat im Bereich von natürlichen Personen.
  • Im Gemeinderat sind wir der Auffassung, dass das Projekt am richtigen Ort steht, weil es eine optimale Anbindung an den öffentlichen Verkehr bietet: Die S-Bahn-Station ist nicht weit entfernt. Der Bus hält vor der Haustüre. Mit maximal 395 Autoparkplätzen und über 1000 Veloeinstellplätzen entspricht das Bauvorhaben heutigen restriktiven kantonalen Vorgaben im Mobilitätsbereich. Die angestrebte Wohnqualität mit Appartements an erhöhter Lage, in unterschiedlichen Grössen, an verkehrstechnisch günstiger Lage, die Wohneinheiten platziert über einer Landschaftsebene und die Gelegenheit zum Einkaufen in der Nähe, das sind Standortvorteile, Anziehungspunkte, die für Jung und Alt attraktiv sind. Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen in Dierikon ist gross. Es ist ein Anteil an Stockwerkeigentumswohnungen von rund 50 % geplant.
  • Das Projekt bringt eine namhafte Aufwertung des ganzen Areals. Auf der geplanten
    Landschaftsebene – eine Mindestfläche von 8‘000 m² und öffentlich zugänglich – können
    sich Bewohnerinnen und Bewohner treffen, Gäste empfangen und das Gelände als Spiel-, Erholungs- und Begegnungsraum nutzen
  • Durch die Aufzonung des Areals von der Arbeitszone in eine gemischte Nutzung ergibt sich auch frankenmässig eine Aufwertung, woraus eine Mehrwertabgabe resultiert. Mit der Bauherrschaft ist eine Mehrwertabschöpfung von 3.04 Millionen Franken und zusätzlich ein Infrastrukturbeitrag von 1 Million Franken für die von der Bevölkerung geforderte Passerelle vereinbart worden. Diese Beträge fallen als Einmaleffekt für die Gemeinde an.

Wo sehen Sie als Präsident, als Mitglied des Gemeinderates Risiken für die Gemeinde?

M. Hess: Der Gemeinderat hat versucht, in der Entwurfs- und Planungsphase alle Risiken zu eliminieren oder zumindest zu minimieren. Die Gemeinde trägt kein Investitionsrisiko, kein Leerstandsrisiko, kein Risiko mit erhöhten Sozialfällen. Aus Sicht des Gemeinderates gibt es kaum Risiken. Das Verkehrsgutachten zeigt den zu erwartenden Mehrverkehr auf. Das Verkehrsaufkommen ist mit der gemischten Nutzung antizyklisch. Die Bewohnerinnen und Nutzer des Rontalzentrums haben zudem das Recht, die Industriestrasse parallel zur
Bahnlinie zu benutzen. Dies verlagert zusätzlich den Verkehr.

Grossprojekte finden in noch teils ländlichen Gemeinden kaum Akzeptanz. Wie wollen Sie hier die Bürgerinnen und Bürger für eine Wende, für eine Zustimmung gewinnen?

M. Hess: Das ist der springende Punkt! Alle Rontaler Gemeinden sind schon lange keine
ländlichen Gemeinden mehr, sondern urbane Gemeinden. In den letzten zehn, zwanzig
Jahren wurde das Rontal von einem grossen Entwicklungsschub erfasst – und das haben
noch nicht alle Leute realisiert. Die Veränderung ist augenfällig. Sehr augenfällig. Der
Richtplan des Kantons Luzern sieht eine dynamische Entwicklung für das Rontal vor mit zum Teil hoher Dichte. Dies ist eine Tatsache – und dies können wir nicht verändern. Der “Zug“ ist bereits in Fahrt. Es gilt hier aufzusteigen und sich “Waggonsabteile“ zu sichern. Machen wir es nicht, machen es nur die Nachbargemeinden.

„Das ist der springende Punkt! Alle Rontaler Gemeinden sind schon lange keine ländlichen Gemeinden mehr, sondern urbane Gemeinden.“ 
Max Hess, Gemeindepräsident

Können Sie sich auch alternative Projekte, Nutzungen auf dem ehemaligen Rockwell-Areal vorstellen?

M. Hess: Die Bürgerschaft kann am 10. Dezember 2019 entscheiden, entweder
Bebauungsplan Rontalzentrum “ja“, also gemischte Nutzung, oder aber das Grundstück
bleibt in der Arbeitszone, so wie heute im Zonenplan definiert. Das bedeutet, dass am Tag
darauf die Grundeigentümerschaft kommen kann und mitteilt, sie stelle dort ein
zonenkonformes Industriegebäude hin. Vor über vier Jahren war der Bau eines
Dienstleistungsgebäudes übrigens der erste Antrag an den Gemeinderat. Schon der damalige Gemeinderat ersuchte um eine Überbauung, die der Gemeinde einen noch grösseren Mehrwert bringt. So ist der heute vorliegende Bebauungsplan Rontalzentrum in einem langen Prozess entstanden.


Stellungnahme der Dierinvest

Herr Nik Grubenmann: Welches ist Ihre Funktion im Rahmen des Projekts Rontalzentrum?
Nik Grubenmann: Die Firma Dierinvest – eine Beteiligungsgesellschaft der Schindler AG und Halter AG – ist Entwicklerin des Projekts Rontalzentrum. Die Projektentwicklerin hat das nun vorliegende Bebauungskonzept in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Dierikon und dem Luzerner Architekten Iwan Bühler erarbeitet.

Welches sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Chancen des Projekts Rontalzentrum für das Rontal und insbesondere für die Gemeinde Dierikon? Welche Standortvorteile bringt dieses Bauvorhaben?

N. Grubenmann: Das Rontalzentrum leistet einen wesentlichen Beitrag für ein attraktives
Dierikon – auch für die kommenden Generationen. An einem hervorragend erschlossenen
Standort kann ein Projekt für Wohnen und Arbeiten entstehen; damit wird das heute
ausschliesslich industriell und gewerblich genutzte Areal frisch belebt. Gleichzeitig bleiben
die Ausbauinteressen der umliegenden Betriebe gewahrt. Mit der zukünftigen Wohnnutzung
wird der Verkehr gegenüber einer rein gewerblich-industriellen Nutzung reduziert. Rund 3 Mio. Franken Mehrwertabschöpfung, ein Infrastrukturbeitrag von 1 Mio. Franken und ein
zusätzlicher jährlicher Steuerertrag in der Höhe von rund 1 Mio. Franken leisten zudem
einen substanziellen Beitrag an die finanzielle Stabilität der Gemeinde.

„Das Rontalzentrum leistet einen wesentlichen Beitrag für ein attraktives Dierikon – auch für die kommenden Generationen.“ 
Nik Grubenmann, Dierinvest

Was haben Sie unternommen oder unternehmen Sie noch, um dem Projekt zum Erfolg, zur Akzeptanz zu verhelfen?

N. Grubenmann: Als Projektentwicklerin ist unser Anliegen zuallererst ein Projekt zu
erarbeiten, das hinsichtlich der Nutzung, der architektonischen und städtebaulichen Qualität sowie der Wirtschaftlichkeit einen Mehrwert für alle bietet. Wir sind überzeugt, dass das Bebauungskonzept diesem Anspruch gerecht wird und eine echte Chance auch für die Weiterentwicklung der Gemeinde darstellt. Die bestehenden Bauten haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Mit einer sachlichen Argumentation und Information in persönlichen Gesprächen sowie in Printbeiträgen versuchen wir die Bevölkerung von den Vorteilen zu überzeugen.

Kurt Heinzer, Präsident Rechnungskommission Dierikon, vertritt ein Ja zum
Rontalzentrum: Die Vorlage zur Umzonung ist wahrlich eine gewichtige Entscheidung, welche die Stimmbürger von Dierikon zu treffen haben. Immer bei grossen Geschäften, bei denen die Zukunft mehrere Sichten zulässt, ist die Angst gross, etwas Gewohntes und Liebgewonnenes zu verlieren. Ich meine, dass die Chancen für unser Dorf bei weitem die Risiken überwiegen und Dierikon die Möglichkeit erhält, die Zukunft proaktiv zu gestalten. Die Lage des Rontalzentrums ist bestens an den öffentlichen Verkehr mit S-Bahn und Bus angebunden, und auch die Autobahn ist ohne nennenswerten Mehrverkehr erreichbar. Die Arbeitsorte Luzern, Zug und Zürich sind somit ideal für die Bewohner der Türme erreichbar und das Beste ist, es muss kein wertvolles Kulturland vernichtet werden. Wohnen und Gewerbe kombiniert verbindet die Menschen mehr als nur Schlaf- oder Arbeitsstätte, was wir aus unserer Umgebung hinlänglich kennen. Mit diesem Projekt würde Dierikon einen grossen Schritt in die Zukunft machen und vermehrt an Autonomie und finanziellen Möglichkeiten zurückgewinnen, um sich in der Region hervorzuheben. Deshalb sage ich ja zur Umzonung.

Was meinen die Ortsparteien? Was sagt ein überparteiliches Komitee?

Die CVP Dierikon traf sich unter der Leitung von Franziska Brunner am Dienstag, 26.
November 2019 zu einer Parteiversammlung. In einem kurzen Gespräch äusserte sich die
Parteipräsidentin zum Thema Rontalzentrum wie folgt: Es ergaben sich sehr heisse
Diskussionen. Drei befürwortende Gemeinderäte präsentierten das Geschäft. Wir haben
aber auch viele Kritiker in der CVP. Es wurde die Nein-Parole gefasst. Das Resultat fiel eher
knapp aus: 7 Ja-, 11 Nein-Stimmen und 7 Enthaltungen. Das Projekt ist eine Nummer zu
gross für Dierikon, das Vorhaben entspricht nicht dem geltenden Siedlungskonzept, Mehrverkehr wird entstehen, argumentierten die Gegner. Es besteht die Angst, das neue
Quartier könnte ein Eigenleben führen, ohne Bezug zum Dorf, ohne Teilnahme am
Vereinsleben. Auch gegenüber dem Investor zeigten sich Fragezeichen. Insgesamt scheint in der Bevölkerung eine sehr skeptische Haltung vorzuherrschen.

Für die FDP Dierikon hat Jan Jambor, Parteipräsident, schriftlich Stellung genommen.
Wenn man die Dieriker Bürger fragt, was ihnen wichtig ist, hört man häufig Aussagen wie:
eine lebenswerte Gemeinde, ein aktives Dorfleben, stabile Finanzen und allgemeine
Attraktivität durch Angebote der Grundversorgung und Freizeitgestaltung. Nun muss man
sich als Dieriker die Frage stellen: Passt das Rontalzentrum zu diesen Identifikationsmerkmalen und Wünschen? Die FDP Dierikon sagt: Nein!

Die finanziellen Reserven der Gemeinde werden bald aufgebraucht sein. Durch den AFR18
wird das Budget der Gemeinde netto bald zirka 1 Mio. Franken mehr belastet. Ein Blick auf
die Statistiken von LUSTAT zeigt, dass Dierikon schon heute die höchsten Infrastrukturkosten (Verwaltung, Bildung u.a.) pro Kopf im Rontal aufweist. Wir können uns diese Ausgaben nicht mehr leisten und müssten dringend auf der Kostenseite ansetzen. Kommt nun noch das Rontalzentrum hinzu, wird man weitere Jahre die notwendigen Aufgaben vernachlässigen und sich auf “das Wunder“ berufen, dass zahlungskräftige Steuerzahler das Rontalzentrum bevölkern werden. Wir müssen uns aber nichts vormachen: Dieses Prestigeprojekt wird nicht am Vierwaldstättersee gebaut, wo diese Annahme vielleicht zutreffen mag, sondern in Dierikon, in unserer kleinen Gemeinde, deren Bevölkerung damit auf einen Schlag um zirka 40 % wachsen soll! Fromme Wünsche, dass die Schule endlich ausgelastet werde, diese können wir wohl vergessen. Alle Wohnungen in den vier Türmen sind für Doppelverdiener ohne Kinder ausgelegt. Daraus wurde schon bei der Präsentation des Projektes kein Hehl gemacht. In über 350 Wohnungen sollen 600 Personen wohnen, ein Schnitt von unter 2 Personen. Daher ist der Bebauungsplan Rontalzentrum an der Gemeindeversammlung vom 10. Dezember abzulehnen. Das Vorhaben hilft Dierikon nicht dabei, an den strukturellen Problemen, vor denen alle Gemeinden stehen, etwas zu lösen.

Von der SVP Dierikon ist keine Stellungnahme eingegangen.

Stellungnahme des überparteilichen Komitees «Rontalzentrum Nein»

Das Komitee, vertreten durch Kilian Graf, hält in seinem Schreiben fest, dass die Abstimmung vom 10. Dezember 2019 für Dierikon wegweisenden Charakter hat. Es macht dazu folgende Ausführungen: Die geplanten rund 350 Wohnungen in vier 55 Meter hohen Blöcken bedeuten für unsere überschaubare Gemeinde ein Wachstum von knapp 60 %. Wir vom überparteilichen Komitee «Rontalzentrum Nein» sind der Meinung, dass ein solch massives Wachstum innert wenigen Jahren für unsere Gemeinde nicht zu verkraften ist. Die Strassen rund um die Schönenbodenkreuzung und den Rontalzubringer sind zu Stosszeiten bereits heute überlastet. Kommt hinzu, dass die Infrastruktur der Gemeinde (bspw. Schulen) nicht auf ein solch rasches Wachstum ausgerichtet ist. Die vom Gemeinderat ausgehandelte Mehrwertabgabe von 3 Mio. Franken reicht bei Weitem nicht aus, um die erforderlichen Investitionen, beispielsweise ein neues Schulhaus mit Turnhalle mit Kosten von rund 8 Mio. Franken, zu decken. Zudem haben andere Agglomerationsgemeinden, darunter Kriens, Emmen oder Ebikon bewiesen, dass mehr Einwohner die Finanzen einer Gemeinde nicht zwingend positiv beeinflussen. Als Konsequenz fragen wir uns, ob der Gemeinderat die finanzielle Zukunft bei einer Annahme des Rontalzentrums nicht zu rosig sieht.

„Wir sind der Meinung, dass ein solch massives Wachstum innert wenigen Jahren für unsere Gemeinde nicht zu verkraften ist.“ 
Kilian Graf, überparteiliches Komitee «Rontalzentrum Nein»

Das Komitee «Rontalzentrum Nein» setzt sich für ein nachhaltiges und stetiges Wachstum
ein. Die geplanten Wohntürme widersprechen ganz dieser im Siedlungsentwicklungskonzept vom Gemeinderat im Jahr 2015 festgesetzten Grundsatz. Unsere Gemeinde lebt heute vom Dörfligeist – man kennt sich und hilft sich gegenseitig bei Bedarf. Durch den Zuzug von bis zu 700 Einwohnern verliert Dierikon seinen Dorfcharakter, es entsteht ein neuer Stadtteil, der durch eine nicht durchdachte Passerelle mit dem restlichen Siedlungsgebiet nur ungenügend verbunden ist. Aus unserer Sicht bringt das Rontalzentrum mehr Nachteile als Vorteile für Dierikon! Aus diesem Grund setzen wir uns am 10. Dezember klar für ein Nein ein!


Zusammenfassung

Grossprojekte, Generationen-Bauvorhaben, in Dierikon der Wandel vom Dorfcharakter zur
Vorstadt-City – das sind Schritte in die Zukunft, die nicht von heute auf morgen gemacht
werden können. Der Gemeinderat und weitere örtliche Behörden haben sich während mehr
als vier Jahren in der Entwurfs- und Planungsphase mit dem Zukunftsprojekt Rontalzentrum intensiv auseinandergesetzt. Und was bekamen die Bürgerinnen und Bürger mit? Reichen Informationsveranstaltungen und Mitwirkungsverfahren, um die Bürgerschaft in einen solch gewichtigen Transformationsprozess einzubeziehen? Kann sie die Konsequenzen für die Finanzen, für die Infrastruktur, für das Sozialwesen, für die Schule, für das Zusammenleben in der Gemeinde aus all den vielen behördlichen Unterlagen, aus den Informationen abschätzen und sich ein Urteil bilden, ob das geplante Rontalzentrum ein Segen oder ein Fluch für die Gemeinde ist? Viele kritische und ablehnende Stimmen haben sich in Einsprachen, Leserbriefen, in Parteiversammlungen und einem Komitee gemeldet. Gelingt es den Projektverantwortlichen für das Rontalzentrum am 10. Dezember 2019 an der Gemeindeversammlung ein Ja mit überzeugenden Argumenten zu erreichen – oder obsiegt die verankerte Treue zum Dorfcharakter?

Text und Interviews Jost Peyer

 

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