Mit Lukas Bärfuss ist es der Kulturgesellschaft Ebikon und dem Gymnasium St. Klemens gelungen, einen der bekanntesten aktuellen Schweizer Schriftsteller nach Ebikon zu holen.

Rund 70 Literaturinteressierte folgten seiner rund dreiviertelstündigen Lesung und
nutzten die Gelegenheit, nochmals mindestens so lange ausführlich Fragen zu stellen.
Lukas Bärfuss erzählt die Geschichte «Hagard» aus dem Blickwinkel eines Zeugen und wirft ohne Beschönigung Schlaglichter auf unsere heutige Zeit. «Hagard» (Wildling, schwer
zähmbares Tier) nimmt in dieser Erzählperspektive den Endvierziger Philip in den Fokus.

Dieser heftet sich an die Fersen einer Frau in pflaumenblauen Ballerinas, deren Gesicht der Verfolger allerdings nie zu Gesicht bekommt. Philip sieht sie nur von hinten. Sie selbst bemerkt ihn nicht. Er rennt der namenlosen Frau hinterher – und in den Tod. Rund 45 Minuten las Lukas Bärfuss leidenschaftlich aus seinem Werk- Seine Sprache lebt von deutlichen, manchmal entblössenden Formulierungen: «Er sah die Menschen, mit denen er die Stadt teilte, sah die Geschäftsherren mit den rasierten Wangen, die Sekretärinnen im frühen Feierabend, beladen mit Ramsch aus China, mit dem sie ihre Buden am Stadtrand ausstaffieren würden».

Verschnaufpausen gewährte Bärfuss den Zuhörenden in satirischen Passagen wie über
Zugkontrolleure in gelben Westen: «Ein übler, käsiger Vielfrass steckt in der Weste, die Backen fett wie Schweineärsche . . . Wie soll er an diesem Walross vorbeikommen?».

Zahlreiche weitere Projekte

Die Fragen der Zuhörer drehten sich um den Roman, aber auch um die Person Lukas Bärfuss, der mit seiner offenen Art sehr viel Sympathien gewann. Die Leidenschaft seines Schreibstils kommt bei Bärfuss auch beim Lesen zum Ausdruck. Eine der Zuhörerinnen bedauerte denn auch, dass es von ihm beziehungsweise von seinen Büchern keine Hörbücher gebe. Das, meinte der Autor, sei eines der Projekte, die er schon überlegt, aber noch nicht in Angriff genommen habe. Das erstaunt nicht, wenn man hört, welche Projekte er aktuell alle verfolgt. So muss er in den kommenden Wochen ein Stück abschliessen, das in Basel aufgeführt werden soll und im kommenden Jahr wird das grosse Welttheater in Einsiedeln unter seiner Leitung durchgeführt – ein Mammutprojekt mit rund 600 Schauspielern und Musikern.

Das nächste «Projekt» der Kulturgesellschaft Ebikon ist musikalischer Natur. am 17. April spielen und jodeln die Naturjuuzer Muotatal im Pfarreiheim Ebikon. Tickets werden im Vorverkauf in der Bäckerei Habermacher verkauft.