Seniorentheater Ebikon greift brandheisses Thema auf

EBIKON – Vor vollbesetzten Rängen warteten die sechs Spielerinnen und fünf Spieler des Seniorentheaters Ebkon mit einer reifen Leistung auf. Für ihr Stück «Tauwätter» erhielten sie tosenden Applaus und viele persönliche Gratulationen.

ro. Eine begeisterte Besucherin brachte es nach der freitäglichen Premiere  des Theaterstückes «Tauwätter» auf den Punkt: «Das Älterwerden wäre noch schöner, wenn Superreiche ihre zum Teil leeren Luxusvillen (meistens haben sie mehrere!) grosszügig einer Alters-WG zur Verfügung stellen würden». Wohl eine Utopie. Aber auf der Bühne des Pfarreiheims sorgte das aufgestellte Ensemble des Seniorentheaters Ebikon unter der souveränen Regie von Hanni Eigel, dass dies Wirklichkeit wurde.

Überzeugungskraft wirkt

Gleich zu Beginn erhalten die Besucher ein Bild von der aktuellen Situation. Die Witwe Martha Schädeli-Hess (Ursula Illi) als reiche, einsame und verbitterte Besitzerin der riesigen Villa Seerose mit Park, ist mit ihrer Familie und dem Umfeld auf Konfrontationskurs. Ihre lebensfrohe Schwester Dora Hess (Ursi Vogel) und der befreundete, pensionierte Arzt Daniel Wertmüller (Heiri Suter) versuchen ihr mit überzeugenden Argumenten beizubringen, ihrem Leben mit einer WG in ihrer Villa eine neue, sinnvolle Richtung zu geben. Nach langem Zaudern lässt sich Martha auf das Experiment ein.

Suche nach Wohnpartnern

Mittels eines Inserats sind die Wohnpartnerinnen und –partner bald einmal gefunden. Von Beginn weg beherrscht die langjährige Haushälterin Ida Kessler (Erika Baumann) die Szenerie. Ihr Markenzeichen: Haare auf den Zähnen und Gold im Herzen. Die Selektion besteht als Erste die bodenständige ehemalige Herrschaftsköchin Mathilde Bärtschi (Sonja Suter), welche gleich mit Selbstgebackenem anrückt. Für Auflockerung sorgt Flo Debrunner (Rosmarie Aregger) als ehemalige, lebenslustige Theatercoiffeuse mit ihrer roten Perücke und Kriegsbemalung. Weiter sind da Christian Bochon (Walter Holl), der kaugummikauende Amerika-Schweizer, der bedächtige Ex-Posthalter und Hobbygärtner Jakob Fritsche (Albert Staub) und der gemütlich wirkende ehemalige Werkzeugmacher Heiri Bluemer (Kurt Steinmeier).

Die WG wächst zusammen

Die buntzusammengewürfelte Gruppe gibt ihrer WG den villabezogenen Namen «Seerose» und wächst in lebendig inszenierten Etappen zusammen. Hausämtchen werden verteilt, eine Puppenklinik wird eröffnet und zwischenhinein auch mal ein Festchen mit selbstgebrautem Malaga und Kuchen gefeiert. Immer wieder werden Maröttchen und Eigenarten liebevoll und mit viel Altersweisheiten aufs Korn genommen. Dazu gehören auch Einblicke ins frühere Leben der Wohngenossen mit überraschenden Ergebnissen. So entpuppt sich Christian als ehemaliger Arzt mit «Berufspech». Es gibt sogar einen kleinen Krimi: Da taucht der Paradiesvogel und Barbesitzer Ferdy Grieshaber (Hugo Birchmeier) auf und fordert mit furchteinflössenden Drohgebärden von Flo aus früheren «pikanten Milieuzeiten» scheinbar gestohlenen Schmuck zurück. Die ganze WG schützt Flo vehement und Ferdy muss fluchend das Weite suchen.

«Tauwätter» im Herbst des Lebens

Die Besucher erleben in drei Akten wie Martha sichtbar auftaut. Ihr Leben hat wieder Sinn und sie geniesst das Zusammenleben mit ihrer WG-Sippe. Eines fehlt ihr noch: Das Aussöhnen mit ihrer eigenen Familie. Urplötzlich ruft eine kindliche Stimme aus dem Garten herzerfrischend «Grossmami!». Es ist Marthas Grosskind Silvali (Janina Schacher). Mit sichtlichem Stolz teilt sie ihrem Grosi mit, dass sie soeben ein Brüderchen erhalten habe. Nun herrscht nicht nur bei Martha «Tauwätter».

Viele Komplimente

Nach der freitäglichen Premiere waren die Besucher zu einem lockeren Apero eingeladen. Dazu gesellten sich auch die Spielerinnen und Spieler. Sie durften dabei Gratulationen mittels «kräftigem Händeschütteln und Achselklopfen» für ihre grossartige Leistung entgegennehmen. Die Freude war ihnen ob so viel Lob sichtlich ins Gesicht geschrieben. Und zuguterletzt rundete die hübsche Besucherin des eingangs erwähnten Satzes den gelungenen Theaterabend mit der Bemerkung ab: «Es müsste ja nicht gleich die ganze Villa sein. Ein Teil davon würde genügen, um einigen älteren Menschen ein bereicherndes und finanziell (fast) unabhängiges Zusammenleben zu ermöglichen. Das wäre <Tauwätter> im wirklichen Leben!“

Weitere Aufführungen: FR/SA, 11./12. April, 19.30 Uhr und SO, 13. April, 17 Uhr, im Pfarreiheim Ebikon. Reservationen Telefon 041 440 16 48.

Dankesworte an der Premiere

Infolge anderweitiger Verpflichtung von Präsident Franz Kupper nahm Maria Arber die Begrüssung vor. Mit sichtlicher Freude vermerkte sie, dass die vollbesetzte Premiere Anerkennung für den grossen Einsatz sei. Ihr Dank galt allen guten Geistern hinter und vor der Bühne und speziell den vielen Sponsoren, ohne die eine Durchführung gar nicht möglich wäre. So wurden z. B. die antiken Möbel für das anspruchsvolle Bühnenbild vom Hotel Palace in Luzern und von der einheimischen Antikschreinerei Weibel gratis zur Verfügung gestellt. Ein besonderes Kränzchen wand Maria Arber der Regisseurin Hanni Eigel, welche bei sämtlichen Proben anwesend war.