Am Anfang steht die Form des Steins

Ein 87-jähriger Luzerner Künstler hat sich von der Natur am Klausenpass inspirieren lassen. Entstanden sind Bilder, die den Betrachter nicht zuletzt des Malgrunds wegen überraschen.

In der Gaststube des Kiosk-Restaurants Klausenpass sind zurzeit 26 Naturbilder des Malers
Werner Vollack aus Ebikon ausgestellt. Als Sujets hat der 87-jährige Künstler hauptsächlich die markanten Gebirgslandschaften sowie die artenreiche Fauna und Flora des Schächentals ausgewählt. Die Palette reicht vom Schärhorn über das Gletscherseeli bis hin zu Alpenrosen und Murmeltieren. Der Betrachter wird die detailreichen Gemälde von Werner Vollack als gelungene künstlerische Nachahmungen jener Bilder empfinden, welche die Natur in der Klausenpassregion während Jahrhunderten selber geschaffen hat. Die Bilder der Klausenpass-Natur sind in diesen Sommertagen für das menschliche Auge in einer
einzigartigen und facettenreichen Vielfalt wahrnehmbar – als Realität im Freien und als
Imitation in Form von Naturbildern in der Gaststube.

«Die mächtigen Berge, die schroffen Felsen oder auch das einzigartige Gletscherseeli in der
Nähe des Passes haben für mich fast etwas Mystisches an sich», erklärt Werner Vollack. Ins
Schächental und zu den Sujets, die er bevorzugt, ist er nicht zuletzt durch seine Tochter
Raphaela Sager gekommen, die seit 2018 das Kiosk-Restaurant auf der Klausen-Passhöhe
führt.

Malgrund stammt aus der Umgebung

Wer Naturbilder mit 08/15-Blumensträussen oder monotonen Sonnenuntergängen
assoziiert, der erlebt auf dem Klausenpass eine Überraschung. Der Grund: Werner Vollack
malt mit seinen Acrylfarben nicht etwa – wie man dies klischeehaft wohl am ehesten
erwarten würde – auf Papier, Holz oder Leinwand, sondern auf Schiefertafeln. Die Steine
stammen hauptsächlich aus der Umgebung des Klausenpasses. Sind die «Schieferbilder»
fertig, werden sie auf eine Holztafel aufgeleimt.

Struktur des Schiefersteins sprechen lassen

Während längerer Zeit hat der in Wien aufgewachsene Werner Vollack früher auch mit Ton
und Keramik sowie auf Leinwand gearbeitet. «Mich reizt das Experimentieren», sagt er. «Die ständige Entwicklung ist für mich auch mit 87 Jahren noch immer wichtig.» Als Grundantrieb für sein künstlerisches Schaffen sieht er dabei nicht das fertige Werk, sondern viel mehr den Weg dazu. Im Falle der Klausenpass-Bilder steht am Anfang die Schiefertafel, die er sauber reinigt und mit weisser Acrylfarbe grundiert, aber von der Form her unverändert lässt. «Ich will die Struktur des Schiefersteins sprechen lassen», begründet er dieses Vorgehen. Das heisst: Werner Vollack wählt das Sujet erst, wenn er die Ausrichtung und Form der Schiefertafel genau beobachtet und interpretiert hat. So entsteht etwa eine
Gebirgslandschaft meistens auf einer rechteckigen Schiefertafel, während ein stehendes
Murmeltier eher im Hochformat richtig zur Geltung kommt. «Kreativität und Freiheit beim
Arbeiten sind für mich wesentliche Elemente», erklärt Werner Vollack. «Wichtig ist nicht zuletzt auch, dass die Bilder etwas ausstrahlen, das den Betrachter berührt. Ich freue mich
deshalb besonders auch über Reaktionen von Ausstellungsbesuchern.»

Neben Gemälden entstehen auch Gedichte

«Kunst hat mich schon interessiert, als ich noch in Wien lebte», blickt Werner Vollack zurück. An der dortigen Kunstakademie hat der gelernte Lithograph auch verschiedene Kurse besucht. Nach seinen beruflichen Wanderjahren via Hamburg, Frankfurt und Basel ist er schliesslich in seiner Wahlheimat Luzern heimisch geworden. Heute lebt der zweifache Vater mit seiner Lebenspartnerin in einer Wohnung in Ebikon, in der er auch sein Atelier
eingerichtet hat. Dort entstehen übrigens nicht nur Gemälde und Keramiken, sondern auch
humorvolle Gedichte. Sofern der rüstige und umtriebige Künstler nicht gerade – mit
Fotoapparat und Skizzenbuch ausgerüstet – Schächental unterwegs ist.

Bruno Arnold

Die Bilder von Werner Vollack können täglich und bis am Saisonende in der Gaststube des
Kiosk-Restaurants Klausenpass (www.restaurant-klausenpass.ch) besichtigt und erworben
werden.

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