Tipps für eine erfolgreiche Berufswahl

Fokus Schule

 Wie finde ich den Lehrberuf, der am besten zu mir passt? Adrian Heer, Leiter Berufliche Bildung bei Ruag Schweiz, rät den Jugendlichen, sich möglichst früh mit der Berufswahl auseinanderzusetzen und nicht alles auf eine Karte zu setzen.

 Adrian Heer, wie können Schüler herausfinden, welcher Beruf für sie der richtige ist?

Indem sie breite Informationen über möglichst viele Berufe einholen. Und zwar nicht erst in der Oberstufe, sondern so früh wie möglich. Das geht heute am bequemsten übers Internet. Wer sich zum Beispiel für einen technischen Beruf interessiert, der findet auf tecmania.ch mit Sicherheit die gewünschten Infos. Wertvolle Hilfe bieten auch das Bildungsinformationszentrum (BIZ) in Luzern oder die Bildungsmesse zebi, die neu jährlich auf der Luzerner Allmend stattfindet. Und nicht zuletzt hilft auch die von Kanton und Wirtschaft organisierte Veranstaltungsreihe «Sprung in die Berufswelt».

Worum geht es bei diesem Angebot?

Oberstufenschüler haben die Möglichkeit, an einem Mittwoch-Nachmittag ein grösseres Unternehmen aus der Region zu besuchen. Dort erfahren sie zuerst etwas Allgemeines zum Betrieb und bekommen anschliessend einen Einblick in verschiedene Lehrberufe. Bei Ruag führen wir im Jahr sieben solche Anlässe durch.

 Wie wichtig ist das persönliche Umfeld im Berufswahlprozess?

Informationen und Beziehungen aus dem Familien- und Freundeskreis sind unbezahlbar. Die wichtigste Rolle im Berufswahlprozess spielen zweifellos die Eltern. Sie haben selber schon mal Erfahrungen in der Berufsbildung gemacht und können ihrem Kind wertvolle Tipps geben. Ratsam ist es auch, wenn sie sich gemeinsam mit dem Kind über einige Lehrberufe informieren. Ausserdem hat jeder Schüler entweder ältere Geschwister, Cousins oder Freunde, die bereits eine Lehre gemacht haben oder mittendrin sind.

 Welche Rolle spielen die schulischen Leistungen?

Eine grosse. Wenn die schulischen Voraussetzungen, sprich die Noten, für den gewünschten Beruf nicht genügen, macht eine Schnupperlehre keinen Sinn. Deshalb sollten sich die Jugendlichen unbedingt im Vorfeld über die Anforderungen eines bestimmten Berufs informieren. Beim Konstrukteur nehmen wir zum Beispiel ausschliesslich Leute mit Sek-A-Niveau. Beim Anlagen- und Apparatebauer reicht ein Sek-C-Abschluss. Mit diesen Kriterien wollen wir niemanden diskriminieren. Wir wollen nur sicherstellen, dass der Lernende später in der Schule mithalten kann.

 Wer kommt zu Ihnen zum Schnuppern?

In die Schnupperlehre kommen nur Jugendliche, die sich über die Berufsrichtung im Klaren sind. Soll es ein technischer Beruf sein, gilt es zum Beispiel herauszufinden, was genau der Unterschied zwischen einem Polymechaniker und einem Automatiker ist. Vielen Firmen wäre es auch gar nicht möglich, alle Interessierten zum Schnuppern einzuladen. Die Nachfrage in gewissen Berufen ist enorm.

 Welchen Zweck hat eigentlich die Schnupperlehre?

Sie gibt dem Betrieb die Möglichkeit, den Jugendlichen zu begutachten. Ebenso wichtig ist aber, dass der Jugendliche den Betrieb kennenlernt. Wir empfehlen ihm, für die Schnupperlehre ein Tagebuch zu führen. Er soll herausfinden: Ist das wirklich der richtige Betrieb für mich? Kann ich vier Jahre mit diesem Berufsbildner zusammenarbeiten? Diesbezüglich rate ich den Jugendlichen jeweils, während dem Schnupperaufenthalt den Kontakt zu anwesenden Lernenden zu suchen. Diese erzählen offen und ehrlich, was sie über den Betrieb und die Ausbildung denken. Die beiden Parteien kommunizieren sozusagen auf Augenhöhe.

 Und was geschieht nach der Schnupperlehre?

Dann gilt es für die Jugendlichen, Bilanz zu ziehen, die Vor- und Nachteile des Betriebs abzuwägen. Ich lege ihnen jeweils ans Herz, zusätzlich ein Feedback vom Betrieb einzuholen. Zum Beispiel indem sie den Berufsbildner fragen: Bin ich für den entsprechenden Beruf geeignet? Wenn er Ja sagt und der Jugendliche selber ein gutes Gefühl hat, steht der offiziellen Bewerbung nichts mehr im Weg.

Alex Piazza

Adrian Heer, Leiter Berufliche Bildung bei Ruag: «Die Schnupperlehre gibt dem Betrieb und den Jugendlichen die Möglichkeit, sich gegenseitig zu beschnuppern.» Bild apimedia
Adrian Heer, Leiter Berufliche Bildung bei Ruag: «Die Schnupperlehre gibt dem Betrieb und den Jugendlichen die Möglichkeit, sich gegenseitig zu beschnuppern.»
Bild apimedia
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