In der Hitzewelle im Juni wagten sich 25 Frauen des Frauenbunds Adligenswil auf den Jahresausflug in den Backofen Tessin nach Locarno, um die Madonna auf dem heiligen Berg zu besuchen. Ein Erlebnisbericht.

Die Aufregung begann tags zuvor: „Aufgrund der Bauarbeiten von Udligenswil nach Luzern nehmen wir einen Bus früher, damit wir auf keinen Fall den Zug verpassen.“ Eine von uns hat nämlich bereits Erfahrung mit dem Verpassen von Flugzeugen. Am Bahnhof wurde durchgezählt. “Gopf, ich habe alle abgehakt aber zähle nicht 25“. Wir helfen nach …23, 24, 25; es sind ja alle da. Das muss bereits die Hitze sein.

Im angenehm temperierten Zugabteil wurde uns Kaffee und Gipfeli serviert während die einen fleissig Neuigkeiten austauschten und die anderen die herrliche Landschaft genossen. Kurz vor Locarno erklärte uns Nathalie Schreiber, dass wir zügig zum Funiculare laufen müssen, weil wir auf dem heiligen Berg erwartet werden. Ebenfalls wurde uns nahegelegt, viel zu trinken, da es heiss werden würde; tja so wie wir „ü30 und heiss“.

So wagten wir uns aus dem Zug in die brütende Hitze und ins Funiculare, das uns zur Wallfahrtskirche Madonna del Sasso hinaufbrachte. Oben angekommen wurden wir von Mark Graf begrüsst: „Buongiorno, wollen Sie die Führung lieber in Italienisch oder Deutsch?“ Lange Gesichter unter uns…ehm…äh…doch lieber auf Deutsch heute, wegen der Hitze!

Wir hätten Glück, dass wir mit dem 1906 in Betrieb genommenen Funiculare fahren konnten und nicht zu Fuss hinauf mussten. Es gibt nämlich noch eine Via Lucis (Lichtweg) und eine Via Crucis (Kreuzweg). Früher kamen die Pilger zwar auch nicht auf den Füssen, sondern auf den Knien. Ja, da waren wir doch froh um das Funiculare. Madonna del Sasso wurde dort gegründet, wo einem Franziskanerbruder 1480 die Muttergottes erschienen war. Menschen pilgern zur Madonna, um Hilfe zu erbitten oder für die Rettung aus einer Gefahr zu danken. Ein Kraftort zum Meditieren und Energie tanken. Das Kircheninnere hat uns denn auch tief berührt.

Ausserhalb der Kirche hatten wir einen fantastischen Panoramablick auf Locarno und den Lago Maggiore, der seinen Namen erhielt, weil man dachte, es sei der grösste See Italiens, aber der Gardasee ist noch etwas grösser. Zu dieser Zeit gab es den Kanton Tessin noch gar nicht, der erst 1803 zum vollwertigen Schweizer Kanton wurde; die Gegend gehörte zum Herzogtum Mailand. „Falls wir nichts anderes vorhätten, könnten wir von hier bis nach Santiago de Compostela pilgern“, meinte Herr Graf und wir lachten: „Ja klaaar, vielleicht wenn es weniger heiss wäre“.

Aufgetankt mit Energie der Madonna machten wir uns zu Fuss auf den Weg nach Locarno. Wir passierten das Hotel Belvedere wo alle VIP’s des Filmfestivals übernachten. VIP’s sind wir doch auch; wir hängen es nur nicht an die grosse Glocke. Wir kamen vorbei an Gärten mit Tessinerpalmen, die ursprünglich gar nicht aus dem Tessin stammen, sondern gegen Ende des 17. Jahrhunderts von China nach Europa gebracht wurden. Auch die Frauen, welche mit dem Funiculare zurückfuhren, hatten etwas zu erzählen. Beim Einsteigen wurden sie gefragt: “I biglietti, i biglietti!“ worauf sie schlagfertig antworteten mit: „Frauenbund, Frauenbund!“ „Ja dann…“. Kommunikation ist eben alles.

So trafen wir uns zu einem herrlichen Mittagessen am See. Auf der Piazza genossen wir feine Gelati bevor es zurück nach Luzern ging, zum Glück nicht auf den Knien, sondern mit Rädern unter dem Hintern.

Mirjam Meyer